Zwei Drittel der Jugendlichen in der EU konsumieren Energydrinks. [1] Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ) sieht den hohen Konsum von Energydrinks unter Jugendlichen mit Sorge. Diese Getränke enthalten in der Regel hohe Mengen an Koffein und Zucker und bergen sowohl akute gesundheitliche Risiken als auch potenzielle Langzeitfolgen.
Akute gesundheitliche Risiken
Bereits ab einer Koffeinaufnahme von etwa 3,0 mg pro Kilogramm Körpergewicht können laut Europäischer Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gesundheitsbeeinträchtigende Wirkungen auftreten. [2] Bei einem 13-jährigen Jugendlichen mit einem Körpergewicht von 54 Kilogramm entspricht dies dem Konsum von etwa zwei Energydrinks oder zwei Tassen Kaffee pro Tag. Grundsätzlich geben aber weder die weder die EFSA noch die FDA einen sicheren Grenzwert für Koffein bei Kindern und Jugendlichen an, was darauf hindeutet, dass dieses gänzlich vermieden werden sollte. Dies ist auch die Position der American Academy of Pediatrics. [3]
Zu den möglichen akuten Symptomen zählen:
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Schweißausbrüche
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Kopfschmerzen
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Hyperaktivität und Konzentrationsstörungen
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Ein- und Durchschlafstörungen
Bei Einnahme größerer Mengen besteht das Risiko von Blutdruckanstieg und Herzrhythmusstörungen. Besonders gefährdet sind Jugendliche mit bisher nicht erkannten Herzrhythmusstörungen (z. B. Long-QT-Syndrom), bei denen sogar lebensbedrohliche Komplikationen auftreten können. [4]
Chronische und langfristige Folgen
Neben den akuten Wirkungen bereiten dem Verband vor allem die chronischen Folgen des regelmäßigen Energydrink-Konsums Sorgen. Zwei Dosen eines beliebigen Energydrinks enthalten bis zu 70 Gramm Zucker, was etwa 24 Stück Würfelzucker entspricht. Der regelmäßige Konsum trägt damit erheblich zur Entstehung von Übergewicht und Diabetes bei.
Darüber hinaus werden anhaltende Schlafstörungen beobachtet, die sich negativ auf die körperliche und geistige Entwicklung auswirken können.
Obwohl bislang keine physische Abhängigkeit beschrieben wurde, mehren sich Hinweise aus Tierversuchen auf eine mögliche neurotoxische Wirkung auf die noch reifende Neuroglia (Gliazellen, die unterstützend im Nervensystem wirken). Diese Befunde rechtfertigen aus kinder- und jugendärztlicher Sicht besondere Vorsicht.
Gefahren von Mischkonsum
Der Mischkonsum von Energydrinks mit Alkohol birgt erhebliche gesundheitliche Risiken. Die Kombination einer stimulierenden Substanz wie Koffein mit dem sedierenden Alkohol führt zu einer gefährlichen Maskierung des Intoxikationsgrades: Betroffene fühlen sich wacher und nüchterner, als sie tatsächlich sind, was zu fortgesetztem Alkoholkonsum und Risikoverhalten führen kann. [5] Studien zeigen, dass diese Mischung mit erhöhten Raten von Alkoholvergiftungen, riskanten Verkehrsteilnahmen und aggressivem Verhalten assoziiert ist. Diese Konsumform ist oftmals mit dem Einstieg in einen multiplen Substanzmissbrauch verbunden, wodurch die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen und aufklärender Interventionen bei Jugendlichen deutlich wird.
Forderungen und Präventionsvorschläge
Auch unterhalb einer vom BVKJ nicht geforderten strikten gesetzlichen Altersbeschränkung für Energydrinks, wie sie beispielsweise in Norwegen (16), Polen, Litauen und Lettland (jeweils 18) besteht, hält der Verband einschränkende Maßnahmen für zielführend. So schlägt der BVKJ – in Anlehnung an bekannte und wirksame Präventionskonzepte – folgende Strategien vor:
1. Engineering – Gesetzliche Kennzeichnung
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Erweiterung der seit 2016 geltenden Höchstmengenverordnung (max. 320 mg Koffein/Liter) um eine Warnhinweispflicht für Jugendliche bereits ab 150 mg/L.
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Der bisherige Hinweis „Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und schwangere und stillende Frauen nicht empfohlen“ sollte ausdrücklich um den Zusatz „und Jugendliche“ ergänzt werden.
2. Education – Aufklärung und Gesundheitsbildung
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Thematisierung der Risiken von übermäßigem Koffein- und Zuckerkonsum durch Energydrinks im schulischen Unterricht als Teil der Gesundheitsbildung.
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Dabei: Berücksichtigung geschlechtsgebundener Unterschiede beim Konsum, da Jungen aufgrund der auf sie zugespitzten Werbung und Marketingstrategien (z. B. durch Motorsportbezug) stärker betroffen sind.
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Kinder- und Jugendärzte weisen im Rahmen den Jugenduntersuchungen J1 und J2 und bei übergewichtigen Jugendlichen verstärkt auf die Risiken des Energydrink-Konsums hin.
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Auch Eltern werden informiert und sensibilisiert, z. B. durch öffentliche Kampagnen, Diskussionen im Fernsehen oder in sozialen Medien, damit sie eine Vorbildfunktion einnehmen und ihren Kindern ein gesundes Konsumverhalten vorleben können.
3. Economy – Preisgestaltung
- Eine Preiserhöhung ist die wirksamste Maßnahme, um den Konsum von gesundheitlich riskanten Produkten zu senken, wie es z.B. bei Tabakprodukten mit der Steuererhöhung für Zigaretten ab 2000 bewiesen wurde.
[1]
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[2]
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[3]
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[4]
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[5]
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