Gesunde Kinder
sind unsere Zukunft

16.04.2005

"Pädiatreff 2005" - Jahrestagung der nordrheinischen Kinder- und Jugendärzte: Krankheiten durch Reizüberflutung nehmen dramatisch zu. Neue Therapiekonzepte integrieren Praxen, Kindergärten und Familien

Kindergartenkinder, die nur Zweiwortsätze stammeln, Grundschüler, die sich auf einfachste Aufgaben nicht mehr konzentrieren können: gegen diese neuen „chronischen Leiden“ kämpfen Kinder- und Jugendärzte heute in ihren Praxen. „Wir erleben, wie bei Kindern Entwicklungsdefizite und Verhaltensauffälligkeiten aufgrund zunehmender Reizüberflutung durch Computer und Fernsehen bei gleichzeitiger mangelhafter familiärer Förderung zunehmen und die soziale und intellektuelle Entwicklung nachhaltig behindern. Diesen neuen Kinderkrankheiten müssen wir mit neuen Therapiekonzepten begegnen, sonst verlieren wir eine ganze Generation,“ so Dr. med. Thomas Fischbach, Landesvorsitzender der nordrheinischen Kinder- und Jugendärzte, anlässlich des Pädiatreffs 2005. Auf der Jahrestagung der nordrheinischen Kinder- und Jugendärzte, die in Köln stattfand, diskutierten rund 400 Kinder- und Jugendärzte über die komplexen Störungsbilder der kindlichen Sinnesentwicklung.

Dr. med. Antonio Pizzulli, Fortbildungsbeauftragter des LV-Nordrhein : „Vor allem Kinder aus bildungsfernen und sozioökonomisch benachteiligten Familien sind betroffen. Diese Kinder sind von Geburt her nicht weniger begabt als andere, ihr Entwicklungsdefizit entsteht durch mangelnde Förderung innerhalb und außerhalb der Familien." Fehlende Anregung und gleichzeitiges „Dauerparken“ vor Computer, Playstation und Fernsehen verletzen Körper, Geist und Psyche dieser Kinder und verursachen die neuen Kinderkrankheiten. Schule und Kindergärten können diese Defizite nicht ausgleichen, aber auch therapeutische Maßnahmen wie "Ergo-" und/oder "Sprachtherapie" können die durch Mangel an Erziehung verursachten Entwicklungsdefizite nicht kompensieren. Kinder- und Jugendärzte haben daher damit begonnen, Modellprojekte - z.B. im Bereich der frühkindlichen Sprachförderung – zu entwickeln, mit deren Hilfe die soziomedizinischen Probleme verhindert bzw. frühzeitig gelöst werden sollen. Die Ergebnisse dieser Modellprojekte und Möglichkeiten ihrer bundesweiten Einführung in Kindergärten und Kindertagesstätten wurden ebenfalls auf der Jahrestagung der Kinder- und Jugendärzte vorgestellt.