Gesunde Kinder
sind unsere Zukunft

17.09.2014

Kinder- und Jugendärzte: Politik setzt sich nicht genug für das Impfen ein

Die Impfstoffausgaben in Deutschland sind deutlich rückläufig. Es wird zuwenig geimpft. Das geht aus dem aktuellen Arzneimittel-Atlas hervor: Seit 2007 ist der Verbrauch an Impfstoffen in Deutschland rückläufig: Waren in jenem Jahr noch 47,6 Millionen Dosen verimpft worden, so waren es im vergangenen Jahr nur noch 32,5 Millionen Dosen.

Impfungen rückläufig - WHO-Ziele verfehlt - Kinder in Gefahr

Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte: "Die Politik lässt uns Kinder- und Jugendärzte allein. Sie bekennt sich nicht zum Impfgedanken, sie hat weder ein Impfkonzept, noch eine Impfstrategie. Mit der Pflicht zu Rabattverträgen auch für Impfstoffe hat die Politik die Möglichkeit besserer Durchimpfungsraten gerade bei Kindern sogar noch erschwert. Dies alles hat dazu geführt, dass Deutschland das WHO-Ziel, die Masern auszurotten, auf absehbare Zeit nicht erreichen wird.

Der höchste Verbrauch an Masern-Impfstoff wurde nach Angaben des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (vfa) 2006 mit 1,94 Millionen Dosen realisiert. 2010 war der Verbrauch um rund ein Viertel auf 1,44 Millionen Dosen gesunken. Aktuell ist er zwar wieder auf 1,655 Millionen Dosen gestiegen, aber das reicht nicht, um die Masern auszurotten. Schon 2013 haben wir die Quittung für das politische Versagen bekommen: die Zahl der gemeldeten Masernfälle im Vergleich zum Vorjahr hat sich auf 1775 verzehnfacht. Besonders betroffen waren Säuglinge und Kleinkinder.

Auch die HPV-Impfung hat sich in Deutschland nicht durchgesetzt: Nach einem Anstieg auf 1,47 Millionen Dosen im Jahr 2008 liegt der Verbrauch nun bei 652.000 Dosen.

Während die Ständige Impfkommission seit neuestem die Impfung von Mädchen ab dem neunten Lebensjahr empfiehlt, sind die tatsächlichen Impfraten insbesondere in den jüngeren Jahrgängen laut KIGGS-Studie gering: 16 bis 18 Prozent sind es bei den 14jährigen Mädchen, 36 bis 46 Prozent bei den 16jährigen.

Zum Vergleich: In Groß-Britannien, wo die HPV-Impfung in das Schulimpfprogramm integriert ist, werden Impfquoten von 80 Prozent erreicht. In Portugal wurden ebenfalls 80 Prozent durch ein Einladungssystem realisiert.

Deutschland gehört also zu den Schlusslichtern. Dies ist inakzeptabel.

Als BVKJ fordern wir endlich ein klares Bekenntnis der Politik zum Impfen, die Formulierung nationaler Impfziele in einem entsprechenden Impfkonzept und natürlich eine wirksame Impfstrategie. Nur so erreichen wir bessere Durchimpfungsraten und schützen unsere Kinder vor gefährlichen Krankheiten."

Berlin/Köln September 2014