Gesunde Kinder
sind unsere Zukunft

16.12.2006

Artikel und Kommentar von Herrn Kuderna am 12.12.2006 in der Ärzte-Zeitung: Pädiater halten Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche nicht für „schädlich“!

In seinem Beitrag zur Diskussion um Pflichtvorsorgen für Kinder vermittelt Herr Kuderna mit dem Satz „Die Forderung der Politiker nach Pflichtvorsorgeuntersuchungen sei "schädlich", so der Verband“ den Eindruck, als halte der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ e.V.) verpflichtende Kinder-Früherkennungsuntersuchungen für schädlich. Dem widerspreche ich mit Nachdruck.

Der BVKJ tritt entsprechend der UN-Kinderrechtskonvention von 1990 für das Grundrecht von Kindern auf bestmögliche gesundheitliche Versorgung ein. Das schließt natürlich Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen gemäß der aktuellen STIKO-Empfehlung uneingeschränkt ein. Wir halten es aber für schädlich, wenn die Politik den Eindruck zu vermitteln versucht, dass das Problem der Kindesvernachlässigung bzw. –misshandlung vorwiegend mit dem Instrument der Pflichtvorsorge in den Griff zu bekommen ist. Die Vorsorgeuntersuchungen für Kinder sind, wenn sie denn inhaltlich und in ihrer Quantität den Erfordernissen der Zeit angepasst werden, ein ganz wichtiger Baustein in einem Gesamtkonzept zur Gesundheitsvorsorge für Kinder.

Deshalb begrüßt der BVKJ die Beschlüsse des Bundesrates vom 19.05. und 15.12.2006 zu den Kinder-Früherkennungsuntersuchungen ausdrücklich und hat erfreut zur Kenntnis genommen, dass der Bundesrat am 15.12.2006 erstmals fordert: „die Früherkennungsuntersuchungen zu nutzen, um gesundheitliche Kindeswohlgefährdungen früher zu erkennen, das Untersuchungsspektrum um Merkmale von Kindesvernachlässigung und Gewalt zu erweitern". Damit räumt die Politik ein, dass das derzeitige Früherkennungsprogramm, so wie es in § 26 SGB V und in den Kinderrichtlinien definiert ist, nicht ausreicht, um einem primärpräventiven Ansatz gerecht zu werden. Es bleibt aber unverständlich, dass die Politik dem Recht des Kindes auf „bestmögliche gesundheitliche Versorgung“ nur ab dem 6. Lebensmonat und nur bis zum 6. Lebensjahr eine gesetzliche Grundlage geben will, nicht aber Säuglingen in den ersten 6 Lebensmonaten und Kindern und Jugendlichen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr, so wie es der BVKJ seit Jahren fordert. Hier muss nachgebessert werden, entsprechende Vorschläge hat der BVKJ gemacht..

Die lückenlose Vorsorge für Kinder macht aber nun dann Sinn, wenn es bundesweit ergänzende Strukturen im Bereich der Jugendhilfe und des jugendmedizinischen Dienstes der Gesundheitsämter gibt, die den Familien, bei denen im Rahmen unserer Vorsorgeuntersuchungen die Notwendigkeit von Hilfen für Familie und Kind festgestellt wird, schnell und umfassend die entsprechende Betreuung zuteil werden lässt. Diese Strukturen kosten Geld und sind vielerorts überhaupt nicht so vorhanden, wie es nach übereinstimmender Meinung aller Experten erforderlich ist. Gerade im öffentlichen Gesundheitsdienst und im Bereich der Jugendhilfe sind massenhaft Stellen abgebaut und somit früher gut funktionierende Strukturen zerschlagen worden. Hier ist jetzt die Politik in Bund, Ländern und Gemeinden gefragt, die Schwerpunkte anders zu setzen und ein bundesweites Netzwerk zum Schutz von Kindern und Jugendlichen aufzubauen. Zusammen mit vielen anderen Organisationen und Verbänden, die sich dem Wohl von Kindern und Jugendlichen verschrieben haben, ist der BVKJ bereits, seinen Beitrag dazu zu leisten.


Kreuztal, 17.12.2006
Dr.med. Wolfram Hartmann, Präsident