Pressemitteilung

Weltweiter Tag der Genitalen Selbstbestimmung am 7. Mai 2026

Hinweis: Dieses Bild ist für den BVKJ e.V. lizenziert und darf nicht bei einer Veröffentlichung in anderen Medien verwendet werden.

Berlin/Köln, 07. Mai 2026. Der Jahrestag des Kölner „Beschneidungsurteils“ wird am 7. Mai erneut als „Weltweiter Tag der Genitalen Selbstbestimmung“ (WWDOGA) gefeiert. Den Aufruf dieses internationalen Bündnisses unterstützen über 80 Kinder-, Menschen- und Frauenrechtsorganisationen aus 15 Ländern und fünf Kontinenten.

Das „Kölner Urteil“ hatte 2012 auch Jungen das Recht auf genitale Selbstbestimmung zugesprochen, indem es eine medizinisch nicht-indizierte Vorhautentfernung („Beschneidung“) eines Jungen als eine strafbare Körperverletzung bewertete. Auch wenn diese Einschätzung durch eine spätere Gesetzesänderung (§ 1631d BGB) relativiert wurde, die elterliche Einwilligung unter bestimmten Bedingungen erlaubt, lenkte das Urteil die Aufmerksamkeit auf eine bis dahin wenig beachtete Ungleichbehandlung im Schutz der körperlichen Unversehrtheit von Kindern. Seither steht der 7. Mai weltweit symbolisch für die Selbstbestimmungsrechte aller Kinder unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion und Tradition.

Der Themenschwerpunkt in diesem Jahr lautet:
Genitale Selbstbestimmung und das soziale Umfeld.

Die diesjährige Kundgebung findet am
Samstag, den 9. Mai um 12:00 Uhr in Köln auf dem Roncalliplatz statt.

Es sprechen dort Vertretungen von Organisationen aus u.a. Frankreich, Australien, den USA, Finnland und Großbritannien.

Die Kundgebung wird als Live-Stream ab 12:00 Uhr auf dem WWDOGA-Youtube-Kanal übertragen.

Die Forderungen des WWDOGA lauten:

  • Einhaltung und Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention Art. 2 (Schutz vor Diskriminierung), Art. 3 (Vorrang des Kindeswohls) und Art. 24, Absatz 3 (Abschaffung schädlicher Bräuche)
  • Gesetzesinitiativen weltweit, die den Schutz
    aller Kinder unabhängig vom Geschlecht vor nicht-therapeutischen Genitaloperationen vorsehen
  • Schutz von Kindern mit atypischen körperlichen Geschlechtsmerkmalen vor medizinisch nicht notwendigen Genitaloperationen und weiteren Eingriffen
  • Sofortiger Stopp der Massenbeschneidungen von Jungen im Rahmen angeblicher HIV-Prävention in vor allem afrikanischen Ländern
  • Öffentliche Forschung und Aufklärung zu den Folgen von nicht-therapeutischen Genitaloperationen an Kindern in ihren unterschiedlichen Formen und sozialen Kontexte

 

O-Töne

Victor Schiering, Vorsitzender MOGiS e. V. – Eine Stimme für Betroffene: „Am WWDOGA 2026 beschäftigen wir uns als Schwerpunkt mit Genitaler Selbstbestimmung im sozialen Umfeld. Viele Menschen, die an Folgen irreversibler Genital-Eingriffe ohne eigene informierte Einwilligung leiden, sprechen aufgrund sozialen, kulturellen, religiösen oder institutionellen Drucks nicht darüber. So bleibt dieses Leid unsichtbar, obwohl es in akuter Form Alltag in Notaufnahmen und Kliniken in Deutschland ist. Durch die erfolgte gesetzliche Erlaubnis von Zwangseingriffen an der Penisvorhaut („Beschneidung“) von Kindern in § 1631d BGB hat der Staat die Frage von Kinderschutz und Selbstbestimmung hier komplett ins Private abgeschoben. In einer solch großen Verantwortung alleingelassen, geraten Partnerschaften und Familien oft in schwere Konflikte. Hier wäre eine verpflichtende unabhängige Beratung dringend erforderlich, als ein erster Schritt für mehr Bewusstsein für die medizinische Tragweite, sowie generell für die Rechte von Kindern.“

Dr. Stefan Trapp, Vizepräsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. (BVKJ): „Für uns Kinder- und Jugendärzt*innen gilt: Jeder irreversible Eingriff am kindlichen Körper erfordert eine medizinische Indikation und informierte Einwilligung. In der Praxis erleben wir jedoch, dass über solche Eingriffe nicht immer offen gesprochen wird und Kinder oftmals gar nicht oder nur eingeschränkt einbezogen werden. Gleichzeitig können Eltern in Konflikte geraten, zwischen dem Wunsch, das Beste für ihr Kind zu tun, und dem Druck, gesellschaftlichen oder kulturellen Normen zu entsprechen. Unsere ärztliche Aufgabe ist es deshalb, aufzuklären, Gesprächsräume zu schaffen und Eltern dabei zu unterstützen, informierte und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Alle Kinder verdienen, unabhängig vom Geschlecht und dem kulturellen oder religiösen Hintergrund ihrer Familien, den gleichen Schutz – in einem Rahmen, der ihre Würde, Kultur und Rechte achtet.“


Kontakt und V. i. S. d. P.:   
Victor Schiering
MOGiS e.V. – Eine Stimme für Betroffene
Telefon: 0177 / 72 47 897
E-Mail: presse-2026@noSpam.mogis-verein.de

Terminhinweise:
Samstag 9. Mai, 12 Uhr Köln, Roncalliplatz
WWDOGA-Kundgebung mit Live-Stream

Freitag, 8. Mai, 18:30 Uhr, Solingen, Hauptstraße 61 63
Gläserne Werkstatt
"Fokustag Genitale Selbstbestimmung"

mit Lilith Raza, Dr. Kolja Eckert, Manasseh Seidenberg, Muhammet S. u.a.

Literatur:
Zwischenbericht zur Kinderrechtssituation in Deutschland - Netzwerk Kinderrechte (netzwerk-kinderrechte.de)
direkter Downloadlink:
https://netzwerk-kinderrechte.de/wp-content/uploads/2023/12/NC_ZwischenBericht-final.pdf
Abschnitt "Genitale Selbstbestimmung" (Seite 32)
„Der Schutz vor therapeutisch nicht notwendigen Genitaloperationen aller Kinder soll gesetzlich formuliert werden. Wege der Umsetzung sind in breiten gesellschaftlichen Foren zu erarbeiten (z. B. Moratorien, Zwischenschritte, Übergangsfristen), begleitet von Informationen und Sensibilisierungskampagnen.“

Offener Brief mit umfassender Quellensammlung Kinderschutz, Selbstbestimmung und Gleichstellung umsetzen: die "Beschneidungserlaubnis" § 1631d BGB abschaffen!

Hegazy, G., Seidenberg, M., Erb, H. et al. Calculating foreskin surface area based on glans measurements of 143 men using a simplified geometrical model of the foreskin. Int J Impot Res (2026). doi.org/10.1038/s41443-026-01255-2

Weitere Weblinks:

BVKJ e.V.:
www.bvkj.de
www.kinderaerzte-im-netz.de (Gesundheitsplattform)

MOGiS e.V. – Eine Stimme für Betroffene:
https://die-betroffenen.de/
https://mogis.info/

Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. (BVKJ)

Mielenforster Str. 2
51069 Köln
Telefon: 0221 – 68 909 0
E-Mail: info@bvkj.de

Präsident: Dr. med. Michael Hubmann
Bundespressesprecher: Jakob Maske
Bundespressesprecherin: Dr. med. Tanja Brunnert

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jakob.maske@noSpam.bvkj.de

Dr. Tanja Brunnert
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