Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. (BVKJ) begrüßt die heutige Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), die Vorsorgeuntersuchung U10 in die Regelversorgung zu überführen. Damit wird eine wichtige Lücke in der kontinuierlichen Vorsorge von Kindern und Jugendlichen geschlossen. Seit vielen Jahren wird für 9- bis 10-jährige Kinder von Kinder- und Jugendärzt*innen eine Vorsorgeuntersuchung angeboten und zahlreiche Krankenkassen haben die Kosten dafür im Rahmen von Selektivverträgen übernommen. Von der Aufnahme der U10 in die Regelversorgung erhofft sich der BVKJ, künftig mehr Kinder aus sozial benachteiligten Familien zu erreichen, denn gerade für sie kann die kontinuierliche Begleitung durch Kinder- und Jugendärzt*innen einen entscheidenden Unterschied machen.
Umso schärfer kritisiert der Verband den Widerspruch zur aktuellen Gesundheitspolitik: Während mit der U10 die Prävention ausgebaut werden soll, sollen Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz wieder einer Budgetierung unterliegen.
Dr. Anke Steuerer, Vizepräsidentin des BVKJ, betont: „Hier sehen wir eine klare Diskrepanz: Auf der einen Seite will die Politik die Prävention stärken, zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen etablieren und die Impfquoten erhöhen. Auf der anderen Seite sollen ausgerechnet Vorsorge und Impfungen wieder budgetiert werden. Damit wird uns im Grunde signalisiert: Mehr als bisher soll nicht bezahlt werden. Gleichzeitig sollen wir aber mehr Kinder erreichen und mehr Prävention leisten. Das passt nicht zusammen. Wer Prävention stärken will, muss auch die finanziellen Rahmenbedingungen dafür schaffen. Vorsorge und Impfungen dürfen nicht davon abhängen, ob eine Praxis ihr Budget bereits ausgeschöpft hat. Hier ist die Politik dringend gefordert, nachzubessern.“
Trotz der Kritik an den finanziellen Rahmenbedingungen sieht der Verband auch die Vorteile, die mit der Überführung der U10 in die Regelversorgung verbunden sind.
Jakob Maske, Bundespressesprecher des BVKJ, erklärt: „Mit der U10 schließen wir endlich eine wichtige Lücke zwischen der U9 im Vorschulalter und der J1 im Alter von 12 bis 14 Jahren. Gerade im Schulalter vollziehen Kinder wichtige körperliche, seelische und soziale Entwicklungsschritte. Auch mit Blick auf die HPV-Prävention ist das Zeitfenster von neun bis zehn Jahren sinnvoll gewählt: Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) bereits ab neun Jahren. Die U10 bietet uns damit eine wichtige Chance, über die Impfung aufzuklären, Impflücken zu schließen und die leider noch immer viel zu niedrigen HPV-Impfquoten bei Mädchen und Jungen zu verbessern.“
Der Verband begrüßt zudem, dass der Fokus der neuen U10 neben der körperlichen Gesundheit auch auf den Themen Übergewicht, körperliche Aktivität, digitaler Medienkonsum und psychische Auffälligkeiten liegen soll. Gerade in dieser Altersgruppe gewinnen seelische und psychosoziale Belastungen zunehmend an Bedeutung.