Politik & Presse
27.09.2022 Pressemitteilung Köln

Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte beklagt weitere Verschlechterung der Versorgung von Kindern und Jugendlichen: Fehlende Verlässlichkeit der Politik gefährdet Regelversorgung

Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte beklagt weitere Verschlechterung der Versorgung von Kindern und Jugendlichen: Fehlende Verlässlichkeit der Politik gefährdet Regelversorgung

Mit der Streichung der Neupatientenregelung, die er selbst mit eingeführt hatte, gefährdet Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach die Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Es wird zu einer weiteren Verknappung ärztlicher Leistungen kommen. Schon jetzt ist die flächendeckende Versorgung von Kindern und Jugendlichen nicht mehr sichergestellt. Eltern suchen verzweifelt nach Terminen für Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen. Ärztinnen und Ärzte stehen ob der vielen Patientinnen und Patienten unter enormen Zeitdruck. Durch die Abschaffung der Neupatientenregelung wird die Situation noch weiter verschärft.

Die Verknappung von finanziellen Mitteln für geleistete Arbeit und die mangelnde Unterstützung und Anerkennung durch die Politik sorgt auch bei den Medizinischen Fachangestellten (MFA) für immer größere Belastungen. Dies führt zunehmend dazu, dass diese in andere Arbeitsgebiete abwandern. Daraus resultiert eine weitere Verknappung der medizinischen Versorgung. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass bereits heute in jeder zweiten Kinder- und Jugendarztpraxis medizinisches Fachpersonal fehlt. Dabei steht fest: Die Arbeit in pädiatrischen Praxen kann nur durch ein professionell funktionierendes Team bestehend aus einer Ärztin bzw. einem Arzt und MFA gewährleitstet werden.

Erschwerend hinzu kommt, dass Kinder- und Jugendarztpraxen, durch unsinnige Bürokratie und den Zwang zur Umsetzung einer unausgereiften Digitalisierungsstrategie, von der Behandlung kranker Kinder und Jugendlichen abgehalten werden. Eine durchschnittliche Kinder- und Jugendarztpraxis wendet inzwischen 30 Prozent ihrer Arbeitszeit dafür auf. Diese Zeit fehlt für die Versorgung kranker Kinder und Jugendlichen.

Der BVKJ ruft daher seine Mitglieder, aber auch Eltern, zur Beteiligung an der ab dem 5. Oktober 2022 stattfindenden bundesweiten Protestaktionen auf.

Wir fordern:

  • die Neupatientenregelung beizubehalten
  • Digitalisierung, die Arbeit erleichtert und nicht Versorgung verschlechtert
  • Wertschätzung aller ambulant tätigen, medizinischen Fachberufe, analog zu den stationär tätigen
  • ein Ende der Leistungsbudgetierung – wie für den hausärztlichen Bereich im Koalitionsvertrag versprochen, damit Kinder- und Jugendarztpraxen wieder wirtschaftlich arbeiten können und die Versorgung von allen Kindern und Jugendlichen sicherstellen können

In einigen KV-Bezirken sind bereits konkrete Maßnahmen zum Protest geplant. Am 5. Oktober wollen die Vertragsärzt:innen und Psychotherapeut:innen in Hamburg gemeinsam mit ihren Praxisteams gegen die GKV-Sparpläne protestieren und ihre Praxen schließen. Wenige Tage später findet am 10. Oktober ein landesweiter Protesttag in Bayern statt. Die bayrischen Praxen bleiben von 8:00 Uhr bis 10:00 Uhr geschlossen.

Berufsverband der Kinder‐ und Jugendärzte e.V. (BVKJ)

Telefon: 0221/68909‐0 E-Mail: bvkj.buero@uminfo.de