Gesunde Kinder
sind unsere Zukunft

06.03.2015

Pressemitteilung Ralf Wischnewski, Diplom-Sozialpädagoge (Drogenhilfe Köln gGmbH) zum 21. Kongress Jugendmedizin: Legal highs – neue Drogen, neue Vertriebswege – neue Gefahren!

Der Drogenmarkt in Europa und in Deutschland ist seit einigen Jahren durch das Erscheinen neuer psychoaktiv wirkender synthetischer Substanzen (NPS) gekennzeichnet. Die Anzahl neu gemeldeter psychoaktiver Substanzen in Europa ist auf dem Höchststand. Zwischen 2005 und 2013 sind über das europäische Frühwarnsystem 317 neue Substanzen identifiziert wurden – davon 81 Substanzen im Jahr 2013.

Hintergrund:

Der Drogenmarkt in Europa und in Deutschland ist seit einigen Jahren durch das Erscheinen neuer psychoaktiv wirkender synthetischer Substanzen (NPS) gekennzeichnet. Die Anzahl neu gemeldeter psychoaktiver Substanzen in Europa ist auf dem Höchststand. Zwischen 2005 und 2013 sind über das europäische Frühwarnsystem 317 neue Substanzen identifiziert wurden – davon 81 Substanzen im Jahr 2013. Das dahinterliegende Prinzip ist immer das Gleiche: bereits aus dem Drogenmarkt oder aus der medizinischen Forschung bekannte synthetische psychoaktive Substanzen werden in ihrer chemischen Struktur leicht verändert, um der Gesetzgebung zu entgehen. Sie werden als „nicht zum menschlichen Verzehr“ fehldeklariert und als „Badesalze“, Räuchermischungen oder „Dünger“ über das Internet in bunten, professionell gestalteten und ungefährlich aussehenden Tütchen vertrieben.

NPS werden auch als „legal-highs“ oder „research chemicals“ bezeichnet.
Das Spektrum der  Nebenwirkungen und Gefahren ist immens und befindet sich im Bereich von kardiovaskulären, neurologischen und psychiatrischen Problemlagen.

Verbreitung:

Die empirische Datenlage zur Verbreitung und zu Konsummustern von NPS ist gering.  Eine deutschlandweite Repräsentativumfrage ist aktuell nicht vorhanden.
Werse und Morgenstern vom Centre for Drug Research der Uni Frankfurt (CDR) fanden in einer Schülerbefragung in Frankfurt/M für das Jahr 2012 heraus, dass in der Altersgruppe der 15-18 jährigen SchülerInnen bereits 6% mindestens einmal eine neue psychoaktive Substanz aus der Gruppe der Räuchermischungen (cannabisähnliche Wirkung)  konsumiert haben. Andere psychoaktiv wirkende neue Substanzen wurden von ca. 2% der Gruppe der 15-18 jährigen SchülerInnen ausprobiert. Weitere Studien von Werse weisen darauf hin, dass die Konsummotivation neben der Neugierde vor allem bei der Nichtnachweisbarkeit (z.B. bei Verkehrskontrollen) und in ihrer Legalität begründet liegt.

Gefahren:

Neben den eigentlichen Gefahren der jeweils einzelnen Substanzen – deren Gefahrenpotential in vielen Fällen noch nicht ausreichend erforscht ist – liegt ein weiteres Problem vor allem bei der Reinheit, der jeweiligen Potenz und der Dosierung der einzelnen Substanzen. Der Markt ist stetigen Schwankungen unterworfen, Produktstabilität ist kaum gegeben. Zudem wissen die Konsumierenden zumeist nicht, welche Substanz sie erhalten, wie diese wirkt und wie sie zu dosieren ist. Es kommt hinzu, dass sich chemisch nur leicht abgewandelte Substanzen in ihrer Wirkpotenz um ein Vielfaches unterscheiden können. Der Konsum von "legal high"-Produkten ist mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden.

Es wurden bereits einige Fälle bekannt, bei denen nach dem Konsum von "legal highs" schwere, lebensgefährliche Vergiftungen aufgetreten sind. Hier kann es zu Kreislaufversagen, Ohnmacht, Psychosen, Wahnvorstellungen, Muskelzerfall bis hin zu drohendem Nierenversagen kommen.

Rechtslage:

Das deutsche Betäubungsmittelgesetz (BtmG) erfasst Substanzen nur dann, wenn die genaue molekulare Strukturformel einer Substanz im Gesetz aufgenommen ist. Sobald eine Substanz auf dem Markt auftaucht, die in ihrer molekularen Struktur nur kleinste Änderungen aufweist, unterliegt diese Substanz erst einmal nicht dem Betäubungsmittelgesetz. Herstellung, Besitz, Vertrieb, & Weitergabe sind somit über das BtmG nicht unter Strafe gestellt. In den vergangenen Jahren wurden zwar regelmäßig diverse dieser neuen Substanzen dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt, gleichzeitig kamen aber immer mehr neue Substanzen auf dem Markt, so dass immer noch eine große Kluft zwischen neuen und verbotenen Substanzen und neuen nicht verbotenen Substanzen klafft. Eine Hase und Igel Wettlauf zwischen Gesetzgeber und Herstellern hat begonnen.

Der Versuch, den Vertrieb dieser Substanzen über das Arzneimittelgesetz zu regulieren, ist nicht geglückt. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat am  10. Juli 2014 entschieden, dass NPS nicht generell dem Arzneimittelbegriff des Arzneimittelgesetzes (AMG) unterliegen. Ihr in Verkehr bringen kann seitdem nicht mehr nach dem AMG strafrechtlich verfolgt werden.

Folgen:

Aktuell kann der Gesetzgeber der Herstellung und dem Handel dieser Substanzen über das Internet daher nur wenig entgegen setzen.

Weimar, 06.03.2015, 12.00 Uhr

Kontakt:
Ralf Wischnewski, Diplom-Sozialpädagoge
Drogenhilfe Köln gGmbh
Fachkraft für Suchtprävention
Tel.:
02233/9944418
E-Mail
: r.wischnewski@noSpam.praevention.drogenhilfe-koeln.de
Internet: www.partypack.de