Gesunde Kinder
sind unsere Zukunft

23.04.2015

Pressemitteilung Deutsches Kinderbulletin

„Neue Schule“ für die Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen!   Das „Deutsche Kinderbulletin“ fordert die Neu-Konzeptionierung von Schule vor allem für Kinder in sozialen Brennpunkten

„Wie kann es gelingen“, fragten sich heute Prof. Peter Paulus und Prof. Heinrich Ricking in einem vom Deutschen Kinderbulletin veranstalteten Pressemeeting in Berlin, „dass wir die Ressourcen der nach wie vor etwa 15-20% „abgeschriebenen“ Kinder und Jugendlichen in unserer Gesellschaft so wahrnehmen, dass sie für ihre eigene Zukunft eine positive Lebensperspektive sehen und für die Gesellschaft zu persönlich stabilen, kenntnisreichen und sozial handelnden Mitgliedern werden?“

Beide Hochschullehrer beklagten, dass immer noch etwa ein Fünftel unserer Kinder – überwiegend Kinder aus Familien in schwierigen Lebensverhältnissen, gekennzeichnet durch Armut und häufig Bildungsferne – bereits zum Eintritt in die Schule deutlich verminderte Startchancen aufgrund einer schlechteren vorschulischen Entwicklungsanregung haben. 

„Aber auch die Schule in ihrer gegenwärtigen Konzeption ist überwiegend nicht geeignet, diese Kinder sozusagen „in die Gesellschaft zurückzuholen“, d.h., die schlechten Ausgangsbedingungen durch eine auf Kompensation orientierte Pädagogik auszugleichen. Eine Pädagogik, die jenseits starrer Rahmenpläne an den Lebenswirklichkeiten der Kinder ansetzt und sie individuell fördert“, betont Paulus, der pädagogische Psychologie an der Universität Leuphana lehrt. Ricking weist darauf hin, dass ein großer Teil dieser Jugendlichen pro Jahr die Schule ohne einen Abschluss verlässt, der eine Chance auf eine Lehrstellenvermittlung bietet; sie würden in der Folge oft ohne Perspektive in kostenintensive und nur zum Teil erfolgreiche „Wiedereingliederungsprogramme“ geparkt.
Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, mahnt, dass Kinder, die mit Entwicklungsdefiziten aufgrund mangelnder familiärer Anregung in die Schule kommen, von vorne herein geringere Chancen auf einen guten Schulabschluss haben. „Mit den Mitteln der Medizin kann man das Problem leider nicht therapieren“, erklärt der Kinder- und Jugendarzt.

„Schule muss heute sowohl in ihrer Lehrplanerstellung, aber auch in ihrer strukturellen Konzeptionierung viel mehr auf die Sozialräume, also die Lebenswirklichkeiten der Kinder und Jugendlichen zugeschnitten werden“, fordert Ricking, der sich an der Universität Oldenburg wissenschaftlich mit „Schulabsentismus“, mithin profan dem Schulschwänzen beschäftigt. „Die Gründe für ein schulvermeidendes Verhalten liegen oft darin, dass die Schule die Schüler in ihrer Lebenssituation nicht erreicht. Wir brauchen neben der lebensnahen Vermittlung von kognitivem Wissen auch kompetenzbezogene Angebote wie Schülerfirmen, die die Interessen der Schüler widerspiegeln. Dazu sollte die Schule auch nachmittags grundsätzlich offen für den Sozialraum sein und entsprechende, betreute Aktivitätsangebote vorhalten.“ Gerade an den Nachmittagen würden viele Schüler häufig auf sich selbst gestellt sein und liefen Gefahr, sich unter Umständen problematischen Peer-Groups anzuschließen. Hier müsse die Schule viel mehr Tutorien bzw. praktische Tätigkeitsmöglichkeiten anbieten

Die Neue Schule der Zukunft werde also viel mehr als nur pädagogische Inhalte vermitteln, sondern auch ein Angebotszentrum für Lernaktivitäten im Sozialraum sein, bekräftigen die Wissenschaftler. Damit schließe sie nahtlos an das Konzept der Familienzentren an, die Hilfe und Unterstützung für Familien und ihre Kinder vor allem in der Vorschulzeit anbieten. Allerdings seien diese wichtigen, strukturierten Einrichtungen einer früh ansetzenden intersektoralen Hilfe von Sozialhilfe, Gesundheitswesen und pädagogischen Angeboten heute erst ansatzweise im Entstehen.

 

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