Gesunde Kinder
sind unsere Zukunft

07.03.2014

Pressemitteilung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ e.V.) anlässlich des 20. Kongresses Jugendmedizin vom 07. bis 09. März 2014 in Weimar (Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des BVKJ)

Presseerklärung, Sperrfrist: 07.03.2014, 12.00 Uhr

  1. 25 Jahre UN-Kinderrechtskonvention – wie steht es um Kinderrechte in Deutschland?
    Der BVKJ begrüßt, dass der Deutsche Bundestag auch in dieser Legislaturperiode wieder eine Kinderkommission eingesetzt hat. Die Kinderkommission hat in den letzten Legislaturperioden viele wichtige Themen zu Kinderrechten, zur Kindergesundheit, zur Kinderarmut, zu den Chancen von Kindern in unserer Gesellschaft aufgegriffen und wichtige Vorschläge für die Arbeit des Deutschen Bundestages gemacht. Einiges wurde umgesetzt. Vieles steht aber noch auf der Agenda und wartet darauf, politisch den Stellenwert zu erhalten, den es verdient. So sind die Kinderrechte immer noch nicht im Grundgesetz verankert, wir haben immer noch keinen Kinderbeauftragten, der Gesetze und politisches Handeln darauf prüft, ob sie dem Wohl der Kinder zuträglich sind.

    „Wir feiern in diesem Jahr das 25-jährige Jubiläum der UN-Kinderrechtskonvention. Deutschland hat aber immer noch viel zu tun, um dieser Kinderrechtskonvention wirklich inhaltlich gerecht zu werden und allen Kindern zu ihrem Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit, auf bestmögliche gesundheitliche Versorgung, auf Teilhabe und frühe Bildung, auf gesunde und ausreichende Ernährung, auf kindgerechte Lebensbedingungen und wirtschaftliche Sicherheit zu verhelfen“.

    „Wie wir in den letzten Wochen erfahren haben, darf man sich in Deutschland straffrei massenhaft Bilder von nackten oder halbnackten Minderjährigen von dubiosen Händlern aus aller Welt kaufen und ansehen und man darf seit einem Jahr minderjährigen und nicht einwilligungsfähigen Jungen ohne medizinische Indikation die intakte Vorhaut unwiderruflich entfernen, wenn die Erziehungsberechtigten es so wollen“. „Die Halbherzigkeit vieler Abgeordneter im Deutschen Bundestag beim Thema Selbstbestimmungsrecht von Kindern ist kaum noch erträglich! Bei Herrn Edathy wenden sie sich angewidert ab, aber dem Gesetz über den „Umfang der Personensorge bei einer Beschneidung des männlichen Kindes" (17/11295) haben 434 Abgeordnete am 12. 12. 2012 aber ohne Bedenken zugestimmt! Kinderrechte sind unteilbar und das Erziehungsrecht von Eltern und auch die Relgionsfreiheit finden dort ihre Grenzen, wo körperliche und seelische Unversehrtheit eines Kindes nicht mehr gewahrt werden“. Wir haben uns bereits seit einigen Jahren gegen den vielfachen Missbrauch entblößter Kinder in der Werbung und auch auf Wahlplakaten ausgesprochen, geschehen ist seitdem nur wenig. Unserer Gesellschaft mangelt es an Kinderbewußtsein! Wir müssen hier wesentlich sensibler werden.

    Das seit 2 Jahren geltende Bundeskinderschutzgesetz muss dringend nachgebessert werden, denn es hat sich bisher auf die nach wie vor hohe Zahl an Kindesmisshandlungen bzw. –vernachlässigungen nicht in dem Maße ausgewirkt, wie es erforderlich ist. Unsere Vorschläge sind im Gesetz nicht ausreichend berücksichtigt, auch die Forderungen des 13. Kinder- und Jugendberichts zur Zusammenarbeit zwischen Kinder- und Jugendhilfe und Gesundheitswesen sind in den meisten Regionen bisher nicht erfüllt.

  2. Neuer Anlauf der Bundesregierung - Präventionsgesetz
    Wir begrüßen die Bemühungen der Koalition, die bisherige sekundäre Prävention im Kinderfrüherkennungsprogramm um Maßnahmen der primären Prävention auch im Bereich der vertragsärztlichen Versorgung zu ergänzen. Wir fordern seit vielen Jahren eine Anpassung des gesamten Vorsorgeprogramms für Kinder und Jugendliche an die gesellschaftliche Entwicklung und die neuen Morbiditäten. Der BVKJ hat dazu mehrfach konkrete Vorschläge gemacht und das gesamte Vorsorge- und Früherkennungsprogramm inhaltlich umgestaltet, ein komplett neues Vorsorgeheft von der Geburt mit der U1 (Paed.Check® Geburt ) bis hin zum Übergang in das Erwachsenenalter mit der J2 (Paed.Check® 16.0) entwickelt und mit der BARMER GEK im Rahmen eines Selektivvertrages auch gesetzlich Versicherten zugänglich gemacht.

    Viele Krankenkassen haben ebenfalls seit Jahren erkannt, dass auch die Vorsorgelücke im Grundschulalter für Kinder zwischen 6 und 10 Jahren dringend geschlossen werden muss und im Rahmen von Selektivverträgen mit uns Vereinbarungen getroffen, die auch gesetzlich krankenversicherten Grundschulkindern den Zugang zu diesen wichtigen Präventionsmaßnahmen gewähren. Leider hat der Gesetzgeber bisher aber nicht die Rahmenbedingungen geschaffen, damit alle Kinder auch im Grundschulalter ein Recht auf gesetzliche Vorsorgeuntersuchungen haben.

    Wir erwarten, dass es die große Koalition endlich schafft, einen Gesetzesentwurf vorzulegen, der die primäre Prävention auf allen Ebenen verbessert und unseren Kindern ein Höchstmaß an Gesundheit ermöglicht.

  3. Frühe Förderung von Kindern mit soziogenen Entwicklungsdefiziten muss endlich umgesetzt werden
    Seit Jahren weisen wir darauf hin, dass Kinder aus anregungsarmen, meist bildungsfernen und in sozial schwierigen Verhältnissen ebenden Familien mit großen Förderdefiziten (Sprache; soziales Verhalten; Ernährung) ihre Schullaufbahn beginnen und zu einem großen Teil scheitern. 10% aller Kinder eines Altersjahrganges erreichen keinen Schulabschluss und haben nur eine schlechte Sozialprognose. Wir fordern ein auf die Familien zugehendes Vorgehen beim Anbieten sozialer Förderprogramme sowie die entsprechende Ausstattung von Kindertageseinrichtungen und qualitative Fortbildung der Erzieher/Innen.

  4. Kernforderungen des BVKJ an die Politik zur Sicherung einer bedarfsgerechten kinder- und jugendärztlichen Versorgung
  • Beibehaltung und Stärkung des jugendmedizinischen Dienstes im ÖGD (Reihenuntersuchungen, aufsuchende Gesundheitsfürsorge, gesundheitliche Beratung und Betreuung von Kindertageseinrichtungen und Schulen)
  • Sicherung und Stärkung der haus- und fachärztlichen Versorgung von Kindern und Jugendlichen (auch im Rahmen von Selektivverträgen nach § 73 SGB V) unabhängig von ihrem Versicherten- und Aufenthaltsstatus durch entsprechend weitergebildete Kinder- und Jugendärzte im ambulanten Versorgungsbereich
  • Erhalt einer qualifizierten Versorgung von Kindern und Jugendlichen durch Sicherung von Kinderkliniken und eigenständigen Kinderabteilungen
  • Förderung der Weiterbildung nicht nur in der Klinik, sondern auch in der Praxis (durch entsprechende Förderung wie bei der Allgemeinmedizin)
  • Anspruch auf Untersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten und primären Prävention für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr durch entsprechende Änderung im SGB V (§ 26) und Anpassung der Inhalte der Untersuchungen an die aktuelle Entwicklung mit neuen Morbiditäten (Vorschläge der Ärzteseite im Unterausschuss Prävention des G-BA)
  • Nationales Impfkonzept mit dem Nachweis vollständiger Impfungen gemäß den aktuellen Empfehlungen der STIKO vor Aufnahme in vorwiegend öffentlich finanzierte Gemeinschaftseinrichtungen
  • Erhalt einheitlicher KVen und keine Zersplitterung in Haus- und Facharzt-KV
  • Abschaffung unsinniger Budgetregelungen bei Arznei- und Heilmitteln


Anmerkung für die Redaktionen:

Bei Nachfragen stehen Ihnen

Dr. med. Wolfram Hartmann,
Präsident Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ),

zur Verfügung unter

Fon: 02732/762900, Fax: 02732/86685
und über die Geschäftsstelle des BVKJ in Köln
dr.w.hartmann-kreuztal@t-online.de
dr.wolfram.hartmann@uminfo.de

Pressesprecher: Dr. med. Ulrich Fegeler

Pichelsdorfer Str. 61, 13595 Berlin
Tel.: 030-3626041 Fax: 030-3611713
E-Mail:
ul.fe@t-online.de


Weimar, 7. März 2014, 12 Uhr