Gesunde Kinder
sind unsere Zukunft

13.10.2008

Presseerklärung von Prof. Dr. med. Stefean Wirth, Wissenschaftliche Leitung, anlässlich der Pressekonferenz am 13. Oktober 2008 zum 36. Herbst-Seminar-Kongresses des BVKJ in Bad Orb

Der 36. Herbst-Seminar-Kongress in Bad Orb hat dieses Jahr als Schwerpunktthemen: Sehen, Hören, Fühlen. Er beschäftigt sich also mit den Sinnesorganen und den damit verbundenen diagnostischen Maßnahmen und Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen. Sinneswahrnehmungen sind die Grundlage jeder Entwicklung. Bereits im Mutterleib hat das Ungeborene intensiven Kontakt zur Mutter, selbst wenn es von Fruchtwasser umgeben ist. Erste Bewegungen und später beherztes Strampeln vermitteln das erste Raumgefühl und sensorische Wahrnehmungen. Auch das Hörvermögen beginnt sehr früh. Bereits Neugeborene werden nach der Geburt auf die ordnungsgemäße Funktion des Gehörs untersucht, um schwerhörige oder gar taube Kinder frühzeitig zu diagnostizieren. Damit können schwerwiegende Entwicklungsstörungen vermieden werden, da die normale Entwicklung des Hörvermögens Voraussetzung für eine normale Sprachentwicklung ist. Viele von Ihnen, die Kinder haben oder kennen, werden sich erinnern, dass sie sehnsüchtig auf das erste Lächeln des Neugeborenen bzw. kleinen Säuglings gewartet haben. Wenn dieses im Alter von 4-6 Wochen dann endlich eintritt, liegt es auch daran, dass das Kind den Betrachter sehen kann und die ausgesandten Signale wahrnimmt und erwidert. Früh fängt das Kind an, Hände, Füße und Gegenstände in den Mund zu nehmen, um sich selbst und die Umwelt zu erfahren. Es muss lernen, sich im Raum zu bewegen, gewissermaßen auch seine „Abmessungen“ einschätzen lernen und nicht zuletzt auch durch schmerzliche Erfahrungen unangenehme oder gefährliche von wohltuenden unterscheiden können. Gleichgewicht, Tastsinn und die Verarbeitungsgeschwindigkeit von Gesehenem, Gehörtem und Gefühltem vom zentralen Nervensystem in die Peripherie wie Hände und Finger bestimmen letztlich den Aktionsradius des kleinen Kindes und die grob- und feinmotorischen Fähigkeiten des älteren Kindes. Vieles kann geübt, ausgebaut und verbessert werden. Manche Fähigkeiten lassen sich aber nicht erlernen, wenn wesentliche Grundlagen fehlen.

Auffälligkeiten haben vielseitige Gründe
Bei manchen Kindern sind genetische Störungen, die also angeboren sind, ein Entwicklungshindernis, bei anderen sind es Durchblutungsstörungen oder eine Sauerstoffmangelsituation während oder nach der Geburt, z.B. im Rahmen von Frühgeburten, die entwicklungsbeeinträchtigend wirken. Es gibt eine Vielzahl von Störungsbildern, die erstens rechtzeitig und richtig diagnostiziert und zweitens möglichst kompetent behandelt werden müssen. Auch anderweitig gesunde Kinder zeigen häufig Auffälligkeiten etwa in der motorischen oder Sprachentwicklung, die dann im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen durch den erfahrenen Kinder- und Jugendarzt entdeckt werden. Die Auffälligkeiten haben vielseitige Gründe; in einigen Fällen mag es an mangelnder Aufmerksamkeit und Förderung liegen, in anderen Fällen auch an der Absorption der Sinne durch andere nicht unmittelbar entwicklungsfördernde Medien.

In fünf Tagen werden wesentliche Themen für den Kinder- und Jugendarzt behandelt. So beginnt der Herbst-Seminar-Kongress mit dem Auge. Hier sind am häufigsten das Schielen zu nennen, aber auch seltenere Augenerkrankungen, die rechtzeitig erkannt werden müssen. Im Rahmen der neuen U 7a ist nicht ohne Grund ein routinemäßiger Sehtest vorgesehen.

Das nächste äußerst wichtige Thema sind die Hörstörungen. Hier ist besonders auf die Frühdiagnostik und Frühtherapie zu achten, um schwerwiegenden Entwicklungsstörungen vorzubeugen. Ein interessantes und wichtiges Thema ist die Sprachförderung, Sprachtherapie und die Indikation zur Unterstützung von Migrantenkindern.

Je nach Sprachvermögen der Eltern wird die deutsche Sprache mehr oder weniger gut erlernt. Gute deutsche Sprachkenntnisse sind eine Grundvoraussetzung, um in der Schule mit den anderen Kindern Schritt halten zu können und die Bildungschancen nicht von vorneherein einzuschränken.

Fühlen heißt auch Schmerzen empfinden und damit umgehen. Aus den unterschiedlichsten Gründen können Kinder und Jugendliche chronische Schmerzen haben. Hier sind es vor allem die Kopf- und Bauchschmerzen, bei denen nur in wenigen Fällen wirklich erkennbare organische Ursachen gefunden werden. Leider sind es immer mehr Patienten, für die wir ein Behandlungskonzept entwickeln müssen.

Delfintherapie steht im Fokus
Ein weiterer Schwerpunkt sind verschiedene Therapieformen, die die Sinne ansprechen, wie sensorische Integrationstherapie, Motopädie oder die Musiktherapie. Der Stellenwert der unterschiedlichen Therapieansätze wird durchaus kontrovers diskutiert. Ein mit großem Interesse erwarteter Beitrag beschäftigt sich mit der Delfintherapie. Die Delfintherapie ist ein emotional sehr intensiv diskutiertes Thema. Vor allem für schwer behinderte Kinder sehen viele Eltern eine therapeutische Alternative. Es gibt allerdings nur wenige Therapiezentren und die Behandlung ist sehr aufwändig und teuer. Bisher stehen wissenschaftliche Studien zum Nachweis der Wirksamkeit dieser Behandlungsmethode aus. Umso wichtiger ist es, die Therapieform außerhalb von Emotionen und Spekulationen unter objektiven wissenschaftlichen Kriterien zu hinterfragen und im positiven Fall die Wirkung zu belegen. Studien sind erforderlich, wenn Kostenträger nicht unerhebliche Behandlungskosten für ausgefallene Behandlungsmethoden übernehmen sollen.

Neben den dargestellten wissenschaftlichen Beiträgen zum Hauptthema finden wieder zahlreiche Satellitensymposien statt. Die sich mit immer aktuellen pädiatrischen Topics wie z.B. Impfen beschäftigen.

Darüber hinaus werden wie gewohnt zahlreiche Seminare angeboten, die die erworbenen Kenntnisse vertiefen oder einmal unter anderen Aspekten beleuchten.

Pädiater haben eine hohe Verantwortung
Die Diagnostik und Therapie von Entwicklungsschritten, die nicht richtig gewertet und beurteilt zu tiefgreifenden Entwicklungsstörungen führen können, ist eine außerordentlich verantwortungsvolle und anspruchsvolle Tätigkeit. Nur eine jahrelange Ausbildung und Erfahrung sowie immer wieder aktualisierte Fortbildungen stellen sicher, dass der Kinder- und Jugendarzt diesen hohen Ansprüchen gerecht werden kann. Wir sind zuversichtlich, mit dem diesjährigen Herbst-Seminar-Kongress in Bad Orb unseren Beitrag dazu zu leisten.

Prof. Dr. med. Stefan Wirth
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin
HELIOS Klinikum Wuppertal
Universität Witten/Herdecke

Dr. med. Antonio Pizzulli
Kinder- und Jugendarzt
Köln

Verantwortlich:
Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte
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