Gesunde Kinder
sind unsere Zukunft

24.01.2008

Neue Präventionskonzepte für Kinder und Jugendliche

Innovativer Vertrag zwischen GEK und BVKJ

Statement von Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des BVKJ

Bei diesem Vertrag handelt es sich um einen Vertrag zur pädiatrisch-hausärztlichen Versorgung von Kindern und Jugendlichen nach § 73b SGB V mit dem Schwerpunkt auf der Prävention.
Die Erziehungsberechtigten müssen ihre Kinder in den Vertrag einschreiben, die Teilnahme ist entsprechend den gesetzlichen Bestimmung für Patienten und Ärzte freiwillig.

Die teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte müssen über eine abgeschlossene pädiatrische Weiterbildung verfügen und zusätzliche Qualitätserforderungen erfüllen (Qualitätszirkel, Impfungen gemäß den aktuellen STIKO-Empfehlungen usw.).

Das bisherige Programm der Kinderfrüherkennungsuntersuchungen besteht seit 1971 und entspricht nicht mehr den Erfordernissen der Zeit. Es wurde um lediglich zwei Vorsorgeuntersuchungen, die U9 und die J1, und um das Sonographische Screening auf angeborene Hüftgelenksdysplasien sowie ein erweitertes Neugeborenenscreening auf endokrinologische und Stoffwechselerkrankungen erweitert und weist große Lücken zwischen den einzelnen Untersuchungen auf und enthält keinerlei primärpräventive Ansätze, die gerade bei Kindern von besonderer Bedeutung sind.

Der Gesetzgeber hat bisher die Voraussetzung für eine Primär-Prävention im Sinne einer
vorausschauenden Beratung im Bereich der GKV nicht geschaffen. Ein wesentlicher Aspekt der neuen Vorsorgeangebote für Kinder und Jugendliche bestand in der Notwendigkeit, die Inhalte einem modernen wissenschaftlichen Standard anzupassen. Es sollen nur die Erkrankungen erfasst werden, die epidemiologisch relevant sind, ausreichend gut durch eine Screeningmaßnahme erfasst werden können und gut behandelbar sind. Zudem wurde auf die primäre Prävention, die besonders mittels Elternfragebögen erfasst wird, großer Wert gelegt.

Derzeitiges Untersuchungsprogramm für Kinder und erweitertes Programm gemäß Vertrag zwischen GEK und BVKJ:

Im Rahmen der U7a GEK-Kindergarten-Check (33. – 36. Lebensmonat) geht es schwerpunktmäßig um
- allergische Erkrankungen
- Sozialisations- und Verhaltensstörungen
- Auffälligkeit in der Gewichtsentwicklung
- Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung
- und Zahn-, Mund- und Kieferanomalien
- Störungen beim Ablösungsprozess von den Eltern und Auffälligkeiten bei der Entwicklung zur Selbständigkeit
- Beratung zum Kindergartenbesuch

Im Rahmen der U10 GEK-Grundschul-Check (7. bis vollendetes 8. Lebensjahr) geht es um folgende Schwerpunkte:
- Lese-Rechtschreibstörungen, Rechenschwäche und Schulleistungsstörungen
- Störungen im Bereich der Fein- und Grobmotorik
- Störungen im Sozialverhalten (z.B. ADHS)
- Ängste
- Auffälligkeiten in der Gewichtsentwicklung
- Allergien

Bei der U11 GEK-Schüler-Check (9. bis vollendetes10. Lebensjahr) liegt das Gewicht auf folgenden Schwerpunkten:
- Schulleistungsstörungen
- Sozialisations- und Verhaltensstörungen
- gesundheitsschädliches Medien- und Konsumverhalten
- Zahn-, Mund- und Kieferanomalien
- Allergien
- Pubertätsentwicklung
- erste Zeichen einer Suchtentwicklung
- psychosomatische Störungen (Kopf- und Bauchschmerzen, Durchfälle, Ängste, Schlafstörungen)
- Störungen der Persönlichkeitsentwicklung

Bei der J2 GEK-Jugend-Check (16. bis vollendetes 18. Lebensjahr) liegen die Schwerpunkte bei
- Pubertäts- und Sexualitätsstörungen
- Haltungsproblemen
- Störungen der Schilddrüsenfunktion
- Störungen der Gewichtsentwicklung
- Sozialisations- und Verhaltensstörungen
- Suchtberatung
- Beratung bei der Berufswahl

Sofern sich bei den Untersuchungen hinreichende Anhaltspunkte dafür ergeben, dass die Ursachen für Gesundheitsrisiken auf mangelnder Bewegung, falscher Ernährung, unangemessenem Stressbewältigungsverhalten und/oder mangelnden Entspannungsfähigkeiten beruhen, ist durch den teilnehmenden Vertragsarzt das "Präventionsrezept“ auszustellen. Mit diesem Präventionsrezept können die Versicherten nach Genehmigung durch die GEK regionale Angebote der primären Prävention wie Ernährungsberatung, Bewegungstraining, Stressbewältigung, gesundheitsfördernde Angebote von Sportvereinen und Volkshochschulen in Anspruch nehmen und erhalten dafür Zuschüsse ihrer Krankenkasse.

Für die Motivation der Patienten, sich in diesen Vertrag einzuschreiben, für die Koordination der Präventionskonzepte und die Ausstellung des Präventionsrezeptes erhält der Vertragsarzt extrabudgetäre Vergütungen in Höhe von 5 bis 10 €. Die zusätzlichen Vorsorgeuntersuchungen werden mit je 50,- € vergütet. Die Leistungen dieses Vertrages werden nicht der Gesamtvergütung aller Ärzte entzogen, sondern gesondert finanziert.

Mit diesem Vertrag hat die GEK einen zukunftsweisenden Vertrag im Interesse ihrer jungen Mitglieder abgeschlossen, der den bisher umfassensten Ausbau der Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendlichen beinhaltet.

Anmerkung für die Redaktionen:
Bei Nachfragen steht Ihnen
Dr. med. Wolfram Hartmann,
Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) zur Verfügung unter
Fon: 02732/762900, Fax: 02732/86685
E-Mail: dr.w.hartmann-kreuztal@t-online.de oder dr.wolfram.hartmann@uminfo.de

Verantwortlich:
Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte
Mielenforster Straße 2
51069 Köln
Tel: 0221/68909-0

Pressesprecher:
Dr. med. Uli Fegeler, Berlin