Gesunde Kinder
sind unsere Zukunft

04.05.2017

MOGiS e.V. - BVKJ Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte - TERRE DES FEMMES - V.M.M.C. Experience Project

Kinderschützer aus Kenia und Deutschland sowie Kinder- und Jugendärzte anlässlich des „Welttags der Genitalen Selbstbestimmung“: „Beschneidungsprogramme in Afrika verletzen Kinder- und Menschenrechte.“Berlin, 04.05.2017 – Der Jahrestag des Kölner „Beschneidungsurteils“ wird am 7.5.17 erneut als „Welttag der Genitalen Selbstbestimmung“ gefeiert. Den Aufruf dieses internationalen Bündnisses unterstützen 45 Kinder-, Menschen- und Frauenrechtsorganisationen aus elf Ländern und fünf Kontinenten. In diesem Jahr widmet sich der 7. Mai in einem Schwerpunkt den mit internationalen Geldern finanzierten Programmen für Massenbeschneidungen an der männlichen afrikanischen Bevölkerung (VMMC – Voluntary Medical Male Circumcision und EIMC – Early Infant Male Circumcision) zur angeblichen HIV-Prophylaxe. Unzählige Jungen werden dadurch im Namen von u.a. USAID, UNICEF und WORLD BANK Opfer von Zwangsbeschneidungen. Die Durchführung erfolgt laut Berichten vor Ort teilweise ohne Wissen der Eltern. Im Rechercheprojekt www.vmmcproject.org aus Kenia und Uganda erhalten nun erstmals die Opfer eine Stimme. Im Vorfeld der Demonstration und Kundgebung am kommenden Sonntag in Köln traten sie nun gemeinsam in Berlin mit Vertretern des BVKJ - Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, TERRE DES FEMMES und MOGiS e.V. und weiteren Gästen vor die Presse. Sie forderten einen sofortigen Stopp der Beschneidungsprogramme in Afrika und Initiativen für einen grundsätzlichen Schutz jedes Kindes weltweit unabhängig vom Geschlecht vor jeglicher Form medizinisch nicht indizierter Genitaloperationen.

Die WHO, UNICEF u.a. rechtfertigen die Massenbeschneidungen afrikanischer Jungen und Männer mit Studien, die ein verringertes HIV-Ansteckungsrisiko für beschnittene Männer behaupten. Dr. Ulrich Fegeler kommentierte dies als Vertreter des BVKJ – Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte: „Die genannten Studien weisen erhebliche methodische Mängel auf. Will man wirklich HIV-Infektionen vermeiden, gibt es nur einen sicheren Schutz: das Kondom. Zu einer Beschneidung zu raten, wiegt die Betroffenen in falscher Sicherheit und verhindert nicht die Weiterverbreitung des Virus. Aus ärztlicher Sicht erfüllt eine Beschneidung auf gar keinen Fall das Kriterium eines sicheren Schutzes vor einer HIV-Infektion. Sie ist insbesondere nicht als entsprechende Präventionsmaßnahme bei nicht einwilligungsfähigen Kindern geeignet und muss aus menschenrechtlichen Gesichtspunkten strikt abgelehnt werden.“ Dr. Christian Bahls, 1. Vorsitzender von MOGiS e.V. – Eine Stimme für Betroffene, analysierte die Beschneiungsprogramme wie folgt: „MOGiS e.V. betrachtet als Verband von Betroffenen für Betroffene von Eingriffen in die sexuelle Selbstbestimmung als Kind (wie sexualisierte Gewalt, sexueller Missbrauch, sexuelle Ausbeutung und Zwangsbeschneidungen) jedwede Genitalmodifikation an Kindern ohne informierte Einwilligung des oder der Betroffenen als eine Verletzung der sexuellen Selbstbestimmungsrechte des Kindes. Für uns ist es erschütternd zu sehen, dass aus Kampagnen zur Beschneidung von Erwachsenen, die ja zumindest informiert einwilligen könnten, wegen des geringen Erfolges Beschneidungskampagnen für Kinder geworden sind. Vorhautentfernungen bleiben eben doch nicht ohne Folgen, was erwachsene Männer im Gegensatz zu Kindern sehr gut beurteilen können. Gerade von UNICEF sind wir an dieser Stelle enttäuscht: Anstatt Rechte von Kindern zu stärken, beschneidet UNICEF inzwischen Babys bis zu einem Alter von 60 Tagen (EIMC). Auch ist fragwürdig, Vorhautamputationen 'erfolgsorientiert' zu honorieren, also einen finanziellen Anreiz zu setzen, möglichst viele Operationen durchzuführen. Diese Programme binden damit Ressourcen, die für seriöse Gesundheitsmaßnahmen gebraucht würden."

Der Kenianer Prince Hillary Maloba setzt sich im Rechercheprojekt VMMC Experience Project in Kenia und Uganda mit den tatsächlichen Folgen vor Ort auseinander und beschrieb in Berlin, zu welchen Zuständen diese mit gewaltigen Finanzmitteln betriebenen Programme inzwischen geführt haben: „VMMC-Partner bieten Schulverwaltungen Geld dafür, kleinen Jungen zu sagen, dass sie, wenn sie beschnitten werden, niemals HIV bekommen werden und dass AIDS nur unbeschnittene Menschen tötet. Die Jungen bekommen Süßigkeiten, manchmal sogar Spielzeug und Geld. Dann werden sie in Lastwagen zu den umliegenden medizinischen Zentren gebracht, beschnitten und anschließend in ihre Region zurückgefahren, ohne weitere medizinische Nachsorge zu erhalten. Ich habe mit zahlreichen Eltern gesprochen, die ihre Söhne so wieder vorfanden – ohne jemals informiert worden zu sein.“

Dr. Jutta Reisinger stieß in ihrer Arbeit als Ärztin für Aktion Regen Wien in Kenia unvermittelt auf die Auswirkungen der Beschneidungsprogramme: „Männliche Beschneidung war nie Thema meiner Arbeit, ich kümmere mich um sexuelle und reproduktive Gesundheit, Familienplanung und HIV-Prävention. Dann wurde ich Zeuge, als man Jungen aus der Schule in die Zentren brachte. Sie wurden beschimpft und teilweise wurde Gewalt angewandt, als sie weinten und nachhause wollten. Man entgegnete mir, dass die westlichen Gelder flössen und nun Ergebnisse erzielt werden müssten. Wie sollen wir von Männern verantwortungsvolles Sexualverhalten erwarten, wenn man sie von klein auf an ihrem Genital verletzt und ihnen damit auch noch Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten verspricht? Dies torpediert sämtliche Anstrengungen, den dringend notwendigen Gebrauch von Kondomen endlich im Bewusstsein zu verankern.“

Kennedy Owino Odhiambo betreibt in seiner Organisation Intact Kenya Aufklärung zu medizinischen Fakten und menschenrechtlichen Aspekten: „Wir benötigen Unterstützung, um Kinder zu schützen und Eltern aufzuklären. Die Programme und ihre allgegenwärtige Propaganda informieren nur einseitig. Sie missachten zudem unsere Kultur, denn sie werden auch in Regionen durchgeführt, in denen es keine traditionellen Vorhautamputationen gibt. Durch unsere Arbeit konnten wir schon erreichen, dass sich zwei Schulen nicht mehr an der Rekrutierung von Jungen beteiligen. Genitale Selbstbestimmung ist ein Menschenrecht! Dafür kommen wir heute und am Sonntag in breiter internationaler Kooperation an verschiedenen Orten weltweit zusammen.“

TERRE DES FEMMES setzt sich seit über 35 Jahren für die Menschenrechte der Frau bzw. die Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und das freie Leben der Frauen und Mädchen überall auf der Welt, ein. Der Schutz von Mädchen und Frauen vor jeglicher Genitalverstümmelung (u.a.) erfolgt durch internationale Vernetzung, Öffentlichkeitsarbeit, gezielte Aktionen, persönliche Beratung und Förderung von einzelnen Partnerprojekten im Ausland. Für Dr. Idah Nabateregga, TDF Fachreferentin für Weibliche Genitalverstümmelung, stellt sich folglich im Rahmen des Welttages für genitale Selbstbestimmung eine grundsätzliche Menschenrechtsfrage, die auch in Deutschland beantwortet werden muss: „Genitalverstümmelung ist eine schwere Menschen- und Kinderrechtsverletzung. Die Praktik stellt einen Verstoß gegen das Recht auf körperliche und psychische Unversehrtheit dar. Jeder und jede ist verantwortlich für einen wirksamen Schutz aller Kinder."

Max Fish, US-amerikanische Journalistin, begleitet das VMMC Experience Project von Beginn an: „Für mich, aus einer Familie stammend, die vom Holocaust betroffen war, steht außer Frage, dass die Massenbeschneidungen in Afrika eines Tages als einer der schlimmsten Fälle von Rassismus des 21. Jahrhundert gelten werden. Sie kultivieren ein rassistisches Stereotyp, dass Treue oder Kondomgebrauch für afrikanische Menschen nicht möglich seien, sondern es einer „final solution“ speziell für Afrika bedürfe. So habe ich das VMMC Experience Project mitbegründet, um den Betroffenen jetzt eine Stimme zu geben.“

Kontakt und v.i.S.d.P.:

Victor Schiering, MOGiS e.V. – Eine Stimme für Betroffene

Tel.: 0177 / 72 47 897

Weblinks der beteiligten Organisationen:

MOGIS e.V.: https://die-betroffenen.de/; https://mogis.info/

TERRE DES FEMMES: [ www.frauenrechte.de ]www.frauenrechte.de

BVKJ: www.kinderaerzte-im-netz.de

VMMC Experience Project: www.vmmcproject.org ]www.vmmcproject.org

 

Terminhinweise:

Die Demonstration und Kundgebung zum Welttag der Genitalen Selbstbestimmung findet am Sonntag, den 7. Mai in Köln statt. 

Start gegen 12:30 Uhr am Landgericht, Luxemburger Str. 101, 50939 Köln.

Kundgebung mit Reden von Vertreter*innen der teilnehmenden Organisationen: ab 14 Uhr auf dem Wallrafplatz am WDR.

Aufruf und Unterstützerliste unter www.genitale-selbstbestimmung.de bzw. www.genital-autonomy.de (englisch).

Die Fachtagung „Jungenbeschneidung in Deutschland“ findet am 8. Mai im Universitätsklinikum Düsseldorf statt.

Sie möchte aus den entsprechenden Fachbereichen auf aktuellem Wissens- und Forschungsstand informieren. Es gilt, diesem kontroversen Thema eine Plattform für einen sachlich fundierten und respektvollen Dialog mit allen Interessierten zu schaffen. Referenten*innen sind u.a. Prof. Dr. Maximilian Stehr, Prof. Dr. Matthias Franz, Dr. Necla Kelek, Prof. Dr. Mikael Aktor.Weitere Informationen und Anmeldung unter www.jungenbeschneidung.de

 

Zum WORLDWIDE DAY OF GENITAL AUTONOMY rufen auf:

Attorneys for the rights of the child (USA)

Australasian Institute for Genital Autonomy - AIGA Inc. (Australien)

Bay Area Intactivists (USA)

beschneidungsforum.de - das Forum zum Thema Beschneidung                               (Deutschland)

Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte BVKJ (Deutschland)

Bundesarbeitsgemeinschaft Säkulare Grüne (Deutschland)

Canadian Foreskin Awareness Project (Kanada)

Children's Health & Human Rights Partnership (Kanada)

Deutsches Kinderbulletin - jedem Kind eine Chance / Politische                                 Kindermedizin (Deutschland)

Doctors Opposing Circumcison (D.O.C.) - Physicians for Genital Integrity                   (Seattle, USA)

Droit au corps (Frankreich)

Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V. - Eine Stimme                 für Betroffene (Deutschland)

Forum Männer in Theorie und Praxis der Geschlechterverhältnisse                             (Deutschland)

Genital Autonomy (Großbritannien)

Genital Autonomy America (USA) (ehemals NOCIRC)

Giordano-Bruno-Stiftung (Deutschland)

IBKA - Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten                               (Deutschland)

Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und                             Jugendlichen e.V. (Deutschland)

(I)NTACT - Internationale Aktion gegen die Beschneidung von Mädchen                      und Frauen e.V. (Deutschland)

Intact Africa (Afrika)

Intact America (USA)

Intact Denmark (Dänemark)

Intact Kenya (Kenia)

Intact Switzerland (Schweiz)

Intaction (USA)

intaktiv e.V. - eine Stimme für genitale Selbstbestimmung (Deutschland)

"Just a snip" (Dänemark)

M.E.L.I.N.A Inzestkinder/Menschen aus VerGEWALTigung e.V.                                 (Deutschland)

Männer gegen MännerGewalt e. V. (Deutschland)

Men Do Complain (Großbritannien)

MOGiS e.V. - „Eine Stimme für Betroffene“ (Deutschland)

NOCIRC - (siehe Genital Autonomy America)

NORM-UK / 15 Square (Großbritannien)

Partei der Humanisten (Deutschland)

Piratenpartei Deutschland (Deutschland)

pro familia Nordrhein-Westfalen (Deutschland)

Pro Kinderrechte CH (Schweiz)

Projekt 100% Mensch - Liebe Recht Respekt (Deutschland)

Protect the Child (Israel)

Schwules Netzwerk NRW e.V. (Deutschland)

Sexpo (Finnland)

TABU International e.V. - Gegen Genitalverstümmelung, für Frauen- und                 Kinderrechte (Deutschland)

TERRE DES FEMMES - Menschenrechte für die Frau e.V. (Deutschland)

V.M.M.C. Experience Project (Kenya)

Your Whole Baby (USA)

Zentralrat der Ex-Muslime (Deutschland)