Gesunde Kinder
sind unsere Zukunft

17.06.2004

"Mobilfunk - Handy - Smog": Ursache einer verstrahlten Zukunft?

Bürgerinitiativen warnen bundesweit immer wieder vor Strahlungsschäden, insbesondere bei Einrichtungen von Mobilfunkbasisstationen in der Nähe von Wohngebieten, Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern. Tatsächlich aber werden während eines Handy-Telefonats wesentlich höhere Feldstärken erreicht, als im Umfeld einer Basisstation.
Fast 65 Millionen Mobilfunkanschlüsse sind zur Zeit angemeldet, das entspricht einer so genannten Handydichte von ca. 75% der Bevölkerung.
Ein Handy haben 16% der Kinder zwischen sechs und 13 Jahren nach einer Publikation des Axel Springer-Verlages in der Tasche. Die Quote bei den 12-Jährigen liegt bereits bei 29%, bei den 13-Jährigen bei 44% und zwischen 14 und 18 Jahren sind 80% mobil verbunden.
Prepaid -Cards werden von 75% der unter 20-Jährigen benutzt und halten die Telefonrechnungen von Teenagern unter Kontrolle. Twens bevorzugen Festverträge.

Mobilfunk benutzt Hochfrequenzen von 1.800 MHZ im E-Netz bei einer Handy-Sendeleistung von 1 Watt und 900 MHZ in D2-Netzen mit 2 Watt. Die Sendeenergie nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab. Für Basisstationen werden in einer Entfernung von 50 bis 70 Meter die gültigen Grenzwerte in der Regel bereits um das 100 bis 1.000-fache unterschritten. Die seit langem bestehenden Antennen von Rundfunk und Fernsehsendern haben eine deutlich höhere Leistung als Mobilfunksender. Häusliche Funkanwendung und die Basisstation für ein Schnurlostelefon des Festnetzes können stärkere Felder verursachen, als Mobilfunk-Basisstationen. Sie gehören nicht in Kinder- und Schlafzimmer. Hochfrequente Energie wird überwiegend in der Haut absorbiert, die maximale Eindringtiefe liegt je nach spezifischer Absorptionsrate (SAR) bei vier bis fünf Zentimetern. Die Leistung der Handy-Sender wirkt vor Ort direkt nahe am Kopf und ist damit lokal wesentlich größer als die der Basisstation.

Unterschieden werden thermische und athermische Strahlungseffekte. Bei Ersteren kommt es zu lokaler Erwärmung je nach Leistung (Watt) und Dauer des Gespräches. Unter ungünstigsten Bedingungen und nach einem langen Telefonat kann es zu einer maximalen Temperaturerhöhung von 1/10 Grad kommen. Eine diskutierte dadurch mögliche Risikoerhöhung für ein Hirntumorwachstum konnte bisher nicht beobachtet werden, Langzeitstudien sind noch nicht abgeschlossen.

Athermische Effekte betreffen in der jetzigen Diskussion insbesondere das zentrale Nervensystem. Untersuchungen beziehen sich auf Veränderungen von Hirnströmen, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Konzentrations- und Befindlichkeitsstörungen, aber auch Blutbildveränderungen bzw. Einflüsse auf das Krebsgeschehen.
Unterhalb der geltenden Grenzwerte haben athermische Effekte nach Ansicht der überwiegenden Mehrheit der Wissenschaftler bisher keine gesundheitliche Bedeutung.

Mobilfunk ist jetzt und wird in Zukunft ein fester Bestandteil des Lebens in unserer Gesellschaft sein. Die lokale direkte persönliche Belastung durch Handy-Sender ist größer als durch Mobilfunk-Basisstationen. Gegenüber möglichen Gefahren sollten wir stets wachsam und kritisch bleiben. Das kindliche Gehirn befindet sich noch in der Entwicklung. Deshalb sollte es allein aus Gründen der Vorsorge keiner unnötigen Strahlenbelastung ausgesetzt werden.
Die Kinder- und Jugendärzte unterstützen deshalb die Empfehlung der Kommission für Umwelt der Akademie für Kinder- und Jugendmedizin und des Bundesamtes für Strahlungsschutz zur Handynutzung, insbesondere durch Kinder, als wirksame Maßnahme zur Strahlenreduktion nachdrücklich. Diese lauten:

  • Auf eine optimale Verbindungssituation zur Mobilfunkstation achten, insbesondere in Innenräumen.
  • Sprechzeiten möglichst kurz halten, keine Dauergespräche mit dem Handy.
  • Freisprechanlagen/Autoantennen nutzen, wann immer möglich.
  • Beim Handykauf auf einen niedrigen SAR-Wert achten.
  • Verstärkte Nutzung von Kurzmitteilungen (SMS), da gefahrlos und relativ preiswert.

Weitere Informationen:

Abschließend Forderungen des BVKJ zur Umsetzung der Präventiven Beratungsmedizin, nicht nur im Kontext von Allergien:
Der BVKJ fordert die Bundesregierung auf ihr Wahlversprechen, die Prävention zu stärken, einzuhalten, die jetzige endlose Diskussion zu beenden und endlich mit der primären Vorsorge zu starten.
Die Kinder- und Jugendärzte stehen mit einem effektiven Programm zur Unfallprophylaxe, zu Bewegungsmangel, Adipositas, Suchtproblemen und zur Allergieprävention bereit und haben ihre Mitglieder in zahlreichen Fortbildungen intensiv darauf vorbereitet.

Die "pädiatrische präventive Beratungsmedizin" ist eine primäre Vorsorge, die beide Zielgruppen " Eltern und Kinder " flächendeckend erreicht. Strukturiert, in das bestehende Vorsorgesystem integriert, führt sie langfristig zu einem besseren gesundheitspolitischen Sozialverhalten unserer Gesellschaft und somit zu einer erheblichen Kostenreduktion des Gesundheitsbudgets. Sie ist die wichtigste Maßnahme, um das Ziel der WHO, dem Leben einige Jahre bei guter Gesundheit hinzuzufügen, zu erreichen.

"Pädiatrie ist präventive Geriatrie"
(Dr. Marianne Koch)


Dr. Jörg Schriever, Mechernich
Wissenschaftliche Leitung, Deutscher Kinder- und Jugend-Ärztetag 2004