Gesunde Kinder
sind unsere Zukunft

10.03.2005

Lese-Rechtschreibstörungen im Kindes- und Jugendalter

Im deutschen Sprachraum leiden etwa vier bis acht Prozent der schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen an einer Lese-Rechtschreibstörung (LRS). Bei vielen Betroffenen werden dadurch die Schulleistungen, das schulische Fortkommen, die Schul- und Berufsausbildung insgesamt sowie die Persönlichkeitsentwicklung nachhaltig beeinträchtigt. Trotz einer Verbesserung der Lesefähigkeit mit zunehmendem Alter erreichen Erwachsene mit LRS in der Regel nicht einmal das Leseniveau gesunder Jugendlicher. Die hirnfunktionellen Grundlagen der LRS sind nach wie vor nur unvollständig aufgeklärt. In den in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Jena durchgeführten Untersuchungen werden neuropsychologische und hirnfunktionelle (funktionelle Magnetresonanztomographie und Elektroenzephalographie) Untersuchungsmethoden kombiniert. Dabei wurden bei den Betroffenen mit einer LRS im Vergleich zu Gesunden Überaktivierungen im Frontalhirnbereich gefunden. Diese Überaktivierungen repräsentieren vermutlich kompensatorische Artikulationsprozesse im Sinne stiller Monologisierungsversuche. Solche Grundlagenuntersuchungen sind notwendig, um die therapeutischen Möglichkeiten zur Behandlung von Lese-Rechtschreibstörungen weiter zu verbessern. Diese sollten möglichst früh einsetzen. In Untersuchungen an Vorschulkindern konnte in Jena gezeigt werden, dass durch gezielte Sprachübungen die Sprachkompetenz verbessert werden kann. Aktuell wird untersucht, ob sich diese verbesserte Sprachkompetenz nach der Einschulung positiv auf den Schriftspracherwerb auswirkt.

Professor Dr. Bernhard Blanz