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06.02.2015

Kinder- und Jugendärzte wehren sich gegen Notdienstreform der KV-Nordrhein

Pressemitteilung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), LV Nordrhein

Nicht mit uns! Nicht auf dem Rücken von Kindern und Eltern!

(Düsseldorf) Die nordrheinischen Kinder- und Jugendärzte sind nicht bereit, die Sparpläne der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein mitzutragen. Sie wehren sich gegen die geplante Ausdünnung des Notdienstes. Dies erklärten Vertreter des Berufsverbandes der kinder- und Jugendärzte heute in Düsseldorf.

Der Notdienstausschuss KV Nordrhein will fast die Hälfte der ambulanten Notfallpraxen in Nordrhein schließen, um Geld zu sparen. Dies wird vor allem die Notfallversorgung von Kindern dramatisch verschlechtern. Eltern sollen künftig mit ihren schwerkranken Kindern nachts und an Wochenenden kilometerweit durch die Region fahren bis zur nächsten Notfallpraxis. Das ist ein Skandal. Wir werden diese Pläne auf keinen Fall mittragen!" so Dr. Thomas Fischbach, Landesvorsitzender des nordrheinischen Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Rund ein Drittel aller Notdienstpatienten sind Kinder und Jugendliche. Bisher konnten sie abends und an Wochenenden von den 704 niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte wohnortnah, schnell und medizinisch kompetent versorgt werden. Nun soll das Netz der Notfallpraxen für Kinder und Jugendliche drastisch ausgedünnt werden. Nur noch 15 Notfallpraxen werden künftig helfen können, wenn Kinder außerhalb der regulären Praxiszeiten plötzlich hohes Fieber bekommen oder Unfälle erleiden etc. Eltern werden sich also demnächst mit ihren kranken Säuglingen oder Kleinkindern per Auto oder Bus nachts und an Wochenenden auf den Weg machen müssen und etwa von Solingen nach Wuppertal oder von Duisburg nach Oberhausen fahren. Ob die dortige Notfallpraxis bei ihrer Ankunft dann noch geöffnet ist, ist ebenfalls fraglich. Denn nicht nur das Praxisnetz soll ausgedünnt werden. Auch die Öffnungszeiten der Notfallpraxen sollen stark begrenzt werden.
"Wir befürchten, dass die unsinnigen Sparpläne vor allem die sozial schwachen Kinder und Jugendliche gefährden. Ihre Eltern sind weniger mobil als Eltern aus der bürgerlichen Mittelschicht. Sie werden wahrscheinlich die langen Wege zur Notfallpraxis in der anderen Stadt nicht auf sich nehmen, sondern einfach abwarten. Infekte und Unfälle sind aber häufig so schlimm, dass Zuwarten gefährlich ist," so Dr. Hermann Josef Kahl der Sprecher der nordrheinischen Kinder- und Jugendärzte. "Im Übrigen glauben wir auch nicht an den Spareffekt durch ein plattgemachtes Notfallsystem. Denn Eltern mit Migrationshintergrund kennen aus ihren Heimatländern meist nur die Krankenhausambulanzen als Anlaufstelle für Notfälle. Sie werden also künftig auch mit ihren Kindern in das nächstgelegene Krankenhaus gehen. Genau dies sollte aber vor über zwanzig Jahren durch die Notfallpraxen verhindert werden. Denn in den Notfallambulanzen der Krankenhäuser werden die Kinder und Jugendlichen meist nicht von Fachärzten für Kinder- und Jugendmedizin versorgt. Zudem hat die Erfahrung gezeigt, dass diese Ambulanzen auch bedeutend teurer arbeiten als die Notfallambulanzen. Aus all diesen Gründen werden wir auf keinen Fall die Sparwut der KV Nordrhein mittragen!"

 

Düsseldorf, Februar 2015