Gesunde Kinder
sind unsere Zukunft

25.11.2019

Kinder- und Jugendärzte warnen vor wirtschaftlichem Druck auf Kinderkliniken: "Kindeswohl darf nicht der Kommerzialisierung geopfert werden."

Krankenhäuser müssen nicht nur Menschen heilen, sie stehen auch zunehmend unter Druck, Gewinne erwirtschaften zu müssen. Kinder- und Jugendärzte wehren sich gegen den Effizienzzwang.

Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte warnt vor dem zunehmenden Spardruck auf Kinderkliniken und -abteilungen: "Die Qualität der medizinischen Versorgung von schwerkranken Kindern und Jugendlichen in Krankenhäusern ist akut gefährdet - noch mehr als die Qualität der allgemeinen Krankenhausversorgung, wie sie jetzt in einem dpa-Interview  Klaus Reinhard, Präsident der Bundesärztekammer, kritisiert hat. Hauptgrund dafür: Kinderkliniken werfen keine Gewinne ab. Im Gegenteil: sie sind ein Verlustgeschäft für die Betreiber. Denn für kranke Kinder und Jugendliche braucht es mehr noch als für Erwachsene Zeit, Personal und Aufwand. Das deutsche Gesundheitssystem basiert aber auf Fallpauschalen, es belohnt standardisierte Abläufe und Kliniken, die in kürzester Zeit ihre Patienten wieder entlassen. Ein Kind lässt sich jedoch nicht so einfach untersuchen, Blut abnehmen oder röntgen, es wehrt sich und weint. Ärzte und Pflegende müssen mit dem Kind reden, sein Vertrauen gewinnen und das seiner Eltern. Das kostet Zeit. Doch diese Zeit sieht das System nicht vor. Sie wird nicht bezahlt. Auch der Personaleinsatz in Kinderkliniken wird nicht bezahlt, etwa wenn ein Kleinkind von zwei Pflegenden und der Mutter während einer Untersuchung gehalten werden muss. Der Materialaufwand von Kinderkliniken wird ebenfalls nicht bezahlt: Blutdruckmessgeräte und Beatmungsgeräte in verschiedenen Größen zum Beispiel, die die Stationen vorhalten müssen. Kinderkliniken und -stationen bringen ihren Betreibern daher kein Geld, sondern sie verursachen hohe Kosten. Lediglich die Neonatologie und Onkologie sind finanziell reizvoll, weil sie aufgrund besonderer Finanzierungsgrundlagen Erträge bringen. Die übrigen Bereiche sind ein Verlustgeschäft. Deshalb wollen die Betreiber sie auch vielerorts loswerden. Vor allem dort, wo private Investoren Kliniken betreiben und Gewinne erwarten, sind Kinderstationen akut bedroht  oder haben bereits geschlossen. Die Folgen: Lange geplante Operationen von Kindern werden kurzfristig verschoben. Intensivstationen müssen Betten still legen. Schwer kranke Kinder und Jugendliche werden vom Rettungswagen von einer Klinik zur anderen transportiert, um ein freies Bett zu bekommen. Eltern müssen in weit entfernte Krankenhäuser pendeln, weil ihr Kind vor Ort nicht mehr versorgt werden kann. Wir haben heute schon durch den Effizienzdruck unhaltbare Zustände. Das Recht der Kinder und Jugendlichen auf bestmögliche medizinische Versorgung wird vielerorts missachtet. Damit muss endlich Schluss sein: Kinderkliniken und -stationen dürfen nicht als Kapitalanlage betrachtet werden. Die Patienten und ihre Bedürfnisse müssen im Mittelpunkt stehen. Wir fordern daher die Politik auf, sich für den Erhalt der Kinderkliniken und -stationen zu engagieren. Vor allem die Länder und Kommunen müssen sich finanziell wieder mehr engagieren und die Kinderkliniken und -stationen so ausstatten, dass sie ihrem Auftrag gerecht werden können, schwerkranke Kinder und Jugendliche bestmöglich medizinisch zu versorgen."

 

 

Information für die Redaktionen:

 

25.11. 2019

 

Verantwortlich:

Berufsverband der Kinder-und Jugendärzte (BVKJ)

Mielenforster Straße 2, 51069 Köln Tel:  0221/68909-0

 

Präsident:

Dr. Thomas Fischbach

 

 

Weitere Informationen zum Thema Kinder- und Jugendgesundheit erhalten Sie unter www.kinderaerzte-im-netz.de