Gesunde Kinder
sind unsere Zukunft

22.06.2017

Kinder-und Jugendärzte: "Behandlung chronisch kranker Kinder und Jugendliche dringend verbesserungsbedürftig!“

Jedes sechste Kind und jeder vierte Jugendliche in einer allgemeinpädiatrischen Praxis leidet heute unter einer chronischen Grunderkrankung. Zu den häufigsten dieser chronischen Krankheiten gehören Allergien, Asthma bronchiale, Krebserkrankungen, Neurodermitis, chronische Darmentzündungen, Zöliakie, Diabetes mellitus (Typ 1 und 2), angeborene Herzfehler, Epilepsien, Rheuma, Zerebralparesen oder das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS/ADHS).

"Wir haben heute die Chance, mit modernen Medikamenten und anderen Therapien vielen dieser Kinder helfen zu können. Chronisch kranke Kinder brauchen jedoch mehr als eine gute medizinische Versorgung für eine erfolgreiche Krankheitsbewältigung", so Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) anlässlich des Politforums, das am 21. 06. in Berlin stattfinden wird. "Chronisch kranke Kinder und Jugendliche brauchen komplexe Leistungen aus dem medizinischen und pädagogischen Bereich. Anderenfalls können die chronischen Erkrankungen die Entwicklung des Kindes nachhaltig beeinträchtigen oder sogar weitere sekundäre Störungen nach sich ziehen. Doch an der verzahnten Förderung im Sinne eines Fall-Managements fehlt es derzeit noch fast überall in Deutschland. Die Politik schweigt dazu und überlässt es uns Pädiatern, ein komplexes Behandlungs- und Fördermanagement in Abhängigkeit von der Diagnose, dem Schweregrad des Krankheitsbildes und passend zur Lebenssituation des Kindes oder des Jugendlichen zu organisieren. Dies ist aber in einem normalen Praxisbetrieb nicht zu schaffen. Als Kinder- und Jugendärzte wünschen wir uns dringend eine bessere sektoren- und fachübergreifende Versorgung chronisch kranker Kinder und Jugendlicher. 

Im Einzelnen brauchen wir endlich

- eine multiprofessionelle Behandlungs- und Förderplanung, damit chronisch kranke Kinder alle erforderlichen Leistungen in richtigem Umfang erhalten. 

- eine bessere Verfügbarkeit und Qualität der pädagogischen und frühen Hilfen in Kitas und Schulen, in Selbsthilfegruppen und in den Beratungsstellen und Diensten der freien Wohlfahrt.

- Hilfe für die Koordinierungsleistungen durch andere Berufsgruppen, z. B. entsprechend geschulte Pflegekräfte oder Sozialpädagogen.

Transition

Eine besonders schwierige Lebensphase für chronisch Kranke ist der Übergang von der Pubertät in das Erwachsensein. Für eine gute „Transition“, d.h. Übergangsversorgung in der Phase zwischen dem 14. und 20. Lebensjahr der Patienten, brauchen wir Koordinatoren , die die Behandlungspfade zusammenführen und Betroffene sowie deren Eltern fachkundig beraten, so dass es nicht zu Therapieabbrüchen kommt.

Ambulante Versorgung psychisch kranker Kinder

Ein besonderes Problem ist die ambulante Versorgung von psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Der Anteil von Kindern mit emotionalen und sozialen Auffälligkeiten nimmt stark zu. Hier stoßen wir fachlich und auch organisatorisch an unsere Grenzen. Die notwendigen zeitlichen Ressourcen im laufenden Praxisbetrieb sind nicht vorhanden. Es fehlt an ambulanten Kinder- und Jugendpsychiatern und -therapeuten. Derzeit müssen Kinder bis zu sechs Monaten auf einen Behandlungstermin warten. Das ist skandalös!"

21. 06. 2017

Verantwortlich:

Berufsverband der Kinder-und Jugendärzte (BVKJ)

Mielenforster Straße 2, 51069 Köln Tel:  0221/68909-0

Präsident:

Dr. Thomas Fischbach

Tel: 01626971409 

Pressesprecher:

Dr. med. Hermann Josef Kahl 

Tel: 01737388588. 

Weitere Informationen zum Thema Kinder- und Jugendgesundheit erhalten Sie unter

www.kinderaerzte-im-netz.de