Gesunde Kinder
sind unsere Zukunft

17.02.2014

Kinder- und Jugendärzte: Asylantenkinder in Deutschland sind medizinische Waisenkinder

Kinder und Jugendliche, die in Deutschland Asyl suchen, sind medizinisch schlecht versorgt und gefährden damit sich und andere. Eine systematische Untersuchung des Gesundheits- und Impfstatus findet nicht statt, erhobene Laborwerte werden nicht weitergegeben, medizinische Hilfe gibt es nur bei Schmerzen oder lebensbedrohlichen Erkrankungen. Impfungen und vor- und nachgeburtliche Betreuung müssen beantragt werden. „Damit sind diese Kinder medizinische Waisen,“ sagte heute in Marburg Dr. Stephan Heinrich Nolte, Sprecher der Hessischen Kinder- und Jugendärzte. „Die mangelnde medizinische Betreuung bedeutet, dass in Deutschland jeden Tag tausendfach geltendes Recht gebrochen wird. Denn ALLE Kinder und Jugendliche haben das Recht auf bestmögliche medizinische Versorgung. So legen es die Menschenrechte und unsere Verfassung fest.“

Öffentliche Gesundheitsgefährdung

„Das Fehlen medizinischer Betreuung führt nicht nur dazu, dass junge Asylanten schwere gesundheitliche Schäden davontragen können. Sie gefährden auch ihre Umgebung. Das zeigt das Beispiel der jetzt in Syrien aufgetretenen Kinderlähmung. Auch hierzulande gibt es Kinder, die nicht gegen Polio geimpft sind. Kommen sie mit einem Poliokranken in Kontakt, können sie sich infizieren. Wir fordern daher für alle Asylantenkinder eine systematische Untersuchung des Gesundheits- und Impfstatus. Und falls Impfungen fehlen, müssen sie hier nachgeholt werden,“ so Nolte.

Gesundheitssystem muss sich Migranten besser öffnen
Die Politik forderte der Marburger Kinder- und Jugendarzt auf, sich für die Verbesserung der medizinischen Betreuungsstrukturen und eine kultursensible Ausbildung von Ärzte einzusetzen: „Fast ein Drittel aller Kinder in Deutschland haben ausländische Wurzeln. Ihre spezifischen Probleme werden mit unseren Untersuchungs- und Behandlungsstrukturen nicht adäquat gelöst. Insbesondere chronische Krankheiten und kinder- und jugendpsychiatrische Probleme erfordern besondere Kenntnisse der soziokulturellen Hintergründe, in denen diese Kinder aufwachsen. Diese Kenntnisse müssen bei der Aus- und Weiterbildung von Medizinern vermittelt werden. Unser Gesundheitssystem muss den besonderen Problemen ausländischer Kinder Rechnung tragen. Wir sind dafür verantwortlich, dass alle Kinder in unserem Land gleichen Zugang zu medizinischer Betreuung erhalten und gesund groß werden können.“


Marburg, 18. 2. 2014

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Pressesprecher: Dr. med. Uli Fegeler, Berlin