Gesunde Kinder
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26.02.2010

Hausarztverträge erst ab 18 – Kinder- und Jugendmediziner und Eltern fordern eigene Verträge für Kinder

Eine qualitative Versorgungsverbesserung hatte die Politik als Ziel, als sie im § 73b des Sozialgesetzbuch (SGB) V die gesetzlichen Krankenkassen verpflichtete, Hausarztverträge mit Gemeinschaften zu schließen, die mindestens die Hälfte der an der hausärztlichen Versorgung teilnehmenden Hausärzte vertreten.
"Klassenziel verfehlt", meinte dazu heute in Berlin Dr. Klaus Rodens, Landesvorsitzender Baden-Württemberg des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, BVKJ, mit Blick auf den Hausärztevertrag der AOK Baden-Württemberg mit MEDI und dem Hausärzteverband (HÄV). Eine hoch qualifizierte Betreuung von Kindern und Jugendlichen kann er in dem Vertragswerk, das auf die Versorgung und Bedürfnisse von Erwachsenen zugeschnitten ist, nicht erkennen. "Der Gesetzgeber hat nicht berücksichtigt, dass die Kinder- und Jugendärzte die Regelversorger der Altersgruppe 0 – 18 Jahren sind", moniert Rodens.
Aktuelle Zahlen aus den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein und Bremen belegen, dass mehr als 90% aller Vorsorgen der Altersgruppe 0 - 6 Jahren und 60% der Jugendvorsorgen bei den 12- 14-Jährigen in den Praxen von Kinder- und Jugendärzten erbracht werden.
Und im Flächenstaat Baden-Württemberg betreut ein niedergelassener Kinder- und Jugendarzt in seinem Praxisalltag 40-mal so viele Kleinkinder, 24-mal so viele Schulkinder bis 11 Jahre, 9-mal so viele 12-13-Jährige und mehr als 3-mal so viel Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren wie ein durchschnittlicher Hausarzt (2008). "Das ist die Versorgungsrealität, und sie zeigt, dass die hausärztliche Versorgung der Altersgruppe 0 - 18 Jahren in die Hände von Pädiatern gehört, die dafür eine besondere Ausbildung und Qualifikation haben", erläutert Rodens auf einem Pressegespräch in Berlin.

In Bremen hat der Schlichter in einem Schiedsverfahren zwischen der AOK Bremen / Bremerhaven die hausärztliche Versorgung durch Allgemeinärzte und hausärztliche Internisten für die volljährigen Versicherten der AOK Bremen festgelegt. Für die Altersgruppe 0 - 18 Jahren soll ein eigener Versorgungsvertrag mit den Kinder- und Jugendärzten geschlossen werden. "Wir Pädiater sind nicht nur in Bremen für diese Altersgruppe die Hausärzte, sondern auch in Rheinland -Pfalz, Bayern, Baden-Württemberg, und auch sonst in Deutschland. Es ist deshalb ein Skandal, dass AOK-versicherte Eltern in Baden-Württemberg kein eigenes Angebot für ihre Kinder haben. Kinder haben nichts in einem Hausarztvertrag der Allgemeinärzte für Erwachsene verloren. Und genau deshalb haben inzwischen mehr als 250.000 Eltern in Baden-Württemberg und Bayern schriftlich dokumentiert, dass sie einen eigenen Versorgungsvertrag für ihre Kinder wollen, der die medizinischen Besonderheiten der Altersgruppe 0 - 18 Jahren abbildet", bekräftigt Rodens.

Patientenbeauftragter sorgt sich um gesundheitliche Versorgung der nächsten Generation
Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU), zeigt Verständnis für die unbefriedigende Situation der Eltern, Kinder und Pädiater in Baden-Württemberg. "Überall in Deutschland spielen die Kinder- und Jugendärzte eine entscheidende Rolle bei der gesundheitlichen Betreuung der nächsten Generation. Insofern ist es zu verstehen, dass dem auch bei den so genannten Hausarztverträgen Rechnung getragen werden sollte. In Bayern hat man sich deshalb entschlossen, zusätzlich zum Hausarztvertrag der Allgemeinärzte auch einen pädiatriezentrierten Vertrag der Kinder- und Jugendärzte anzubieten. Aufgrund dieser Erfahrungen werden wir erfahren, ob dieses Angebot von den Eltern und ihren Kindern gut angenommen werden wird und ob dieses Modell Vorbild sein kann für alle Bundesländer und Krankenkassen, die jetzt Hausarztverträge abschließen werden", so Zöller.

Bei Rückfragen:
Dr. Michael Mühlschlegel,0172-7409961michaelandreas@t-online.de