Gesunde Kinder
sind unsere Zukunft

01.12.2015

Hauptsache, „irgendwie“ …? Pflegereform ignoriert Kinder

Gemeinsam für das kranke Kind: Eltern, Ärzte und Pflegende wollen den Beruf bzw. Schwerpunkt „Kinderkrankenpflege“ erhalten. Die Bundesregierung plant, ab 2016 die Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege in einer generalistischen Ausbildung zusammenzulegen.

Eine Generalisierung der Pflege ignoriert die besondere und verletzliche Situation des kranken Kindes. Schwer kranke oder chronisch kranke Kinder werden die Verlierer einer Reform sein, die in erster Linie den Personalmangel in der Altenpflege bewältigen will, protestieren Eltern, Ärzte und Pflegende.
Gemeinsam haben Verbände und Organisationen der Eltern-Selbsthilfe und der Kinder- und Jugendmedizin einen Aufruf verfasst, der die Interessen des kranken Kindes ins Zentrum rückt. Alle befürchten einen deutlichen Qualitätsverlust, sollten die Reformpläne tatsächlich umgesetzt werden.

„Mit der gleichen Notwendigkeit, mit der es die Kinder- und Jugendmedizin als eigene Fachdisziplin im Chor der ärztlichen Weiterbildungen gibt, muss es auch zukünftig eine eigenständige Kinderkrankenpflege geben. Kinder sind eben keine kleinen Erwachsenen und die vorhandenen Probleme der Altenpflege in einer alternden Gesellschaft können und dürfen nicht zu Lasten einer qualifizierten Kinderkrankenpflege zu lösen versucht werden. Während der Gemeinsame Bundesausschuss immer höhere Anforderungen an die ärztliche Qualifikation beispielsweise bei der Versorgung und Betreuung Frühgeborener in speziellen Zentren verlangt und durchsetzt, scheint die medizinisch ebenso wichtige Pflegekompetenz auf Kinderintensivstationen ganz offensichtlich als minder wichtig betrachtet zu werden. Das darf nicht sein“, kritisierte Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte BVKJ e.V., die Pläne der Bundesregierung.

Ob kaum 500 g leichtes Neugeborenes, schwer kranke Säuglinge, Kleinkinder oder pubertierende Jugendlichen mit Gesundheitsproblemen - ohne die über mehrere Jahre fachspezifisch geschulten Kinderkrankenpflegerinnen und-pfleger verliert das kranke Kind immens wichtige Partner für seine Genesung und Betreuung.

Die Unterzeichner des Aufrufs zum Erhalt der Kinderkrankenpflege in Deutschland werden sich weiterhin bei Politikern auf Landes- und auf Bundesebene intensiv dafür einsetzen, bei den Gesetzes- und Reformplänen im Gesundheitsbereich die spezifischen Bedürfnisse von Kindern im Krankenhaus entsprechend zu berücksichtigen. Die Pläne zur Pflegeausbildungs-Reform sind stillschweigend über etwas Grundlegenden hinweggegangen: Das Recht auf fachgerechte und qualitativ hochwertige Betreuung im Krankheitsfall gilt auch für Kinder.

Berlin/Köln, 01.12. 2015