Gesunde Kinder
sind unsere Zukunft

09.03.2006

12. Kongress für Jugendmedizin Weimar 2006: Jugend am Rande der Gesellschaft (3)

Aktuelles zur Berufs- und Gesundheitspolitik
Mit einem breiten Forderungskatalog in Richtung Krankenkassen, verantwortliche Sozial- und Familienpolitiker und natürlich in Richtung Gesundheitsministerin Ulla Schmidt wendet sich Dr. Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), anlässlich des 12. bundesdeutschen Kongresses für Jugendmedizin in Weimar an die Medien und die Öffentlichkeit:

Die konkreten Wünsche des BVKJ im Detail:

1. Gesetzliche Krankenversicherung (GKV):

  • Beibehaltung der beitragsfreien Mitversicherung von Kindern und Jugendlichen in der GKV sowie keine Zuzahlungen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr sowie Wahlfreiheit der Versicherungsart (GKV – PKV) bei der steuerfinanzierten Versicherung von Kindern und Jugendlichen
  • Übernahme der Kosten für alle von der Ständigen Impfkommission beim Robert-Koch-Institut (STIKO) empfohlenen Impfungen durch die GKV durch entsprechende Änderung im SGB V (§ 23, Abs. 9)
  • Anspruch auf Untersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr durch entsprechende Änderung im SGB V (§ 26), Ausbau des Untersuchungsprogramms für Kinder von 3, 7 und 9 Jahren sowie Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren und umfassende inhaltliche Änderungen mit Schwerpunkt auf der primären Prävention.
  • Übernahme der Kosten für nicht-verschreibungspflichtige Medikamente (OTC-Präparate) mit nachgewiesener Wirksamkeit bis zum vollendeten 18. Lebensjahr durch entsprechende Änderung im SGB V (§ 34)
  • Sicherung der haus- und fachärztlichen Versorgung von Kindern und Jugendlichen durch entsprechend weitergebildete Kinder- und Jugendärzte im ambulanten Versorgungsbereich und Erhalt einer qualifizierten Versorgung von Kindern und Jugendlichen durch Sicherung von Kinderkliniken und eigenständigen Kinderabteilungen, sowie Förderung der Weiterbildung in Klinik, Praxis und ÖGD (durch entsprechende Förderung wie bei der Allgemeinmedizin)
  • Abschaffung der unterschiedlichen Kopfpauschalen in der GKV, einheitliches Vergütungssystem in € und Übernahme des Morbiditätsrisikos durch die Krankenkassen
  • keine Bonus-/Malusregelung bei der Arzneimittelversorgung. Stattdessen Regelung wie im Laborbereich mit Wirtschaftlichkeitsbonus.
  • Abschaffung unsinniger Budgetregelungen bei Heilmitteln
  • Reduzierung des unsinnigen Bürokratismus mit immer neuen DMP, Einzelverträgen mit kleinsten Krankenkassen, Vorschriften für die Praxen, die kaum noch Zeit für eine patientengerechte Versorgung lassen
  • Erhalt einheitlicher KVen und keine Zersplitterung in Haus- und Facharzt-KV
  • Übernahme der Kosten für die Einführung der e-card durch die Krankenkassen

2. Sozial- und Familienpolitik:

  • Weiterer Ausbau der Ganztagsbetreuung im vorschulischen und schulischen Bereich, insbesondere in Wohnbezirken mit besonderem Bedarf an sozialkompensatorischen Maßnahmen (primäre Prävention)
  • Knüpfung von Netzstrukturen zur frühen Identifikation und Betreuung von Risikofamilien zur Verhinderung von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung
  • Kostenloses Kinderbetreuungsangebot ab dem vollendeten 2. Lebensjahr
  • Stärkung von Erziehungs- und Bildungsaufgaben im vorschulischen Bereich durch verbesserte quantitative und qualitative Ausstattung der Kinderbetreuungseinrichtungen (Kinder schulfähig machen)
  • Wirksame Bekämpfung von legalen und illegalen Drogen in allen öffentlichen Bereichen (z.B. Verbot von Tabak- und Alkoholkonsum in den Schulen und Kindergärten, Rauchverbot im Auto bei mitfahrenden Kindern, keine Tolerierung von Cannabis, intensivierte Aufklärungsmaßnahmen usw.)
  • Umsetzung der Resolution aller Parteien im Deutschen Bundestag vom 25.06.2002, in der gefordert wird, die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen zu sichern und zu verbessern


3. Allgemeine Gesundheitspolitik:

  • Beibehaltung und Stärkung des jugendmedizinischen Dienstes im ÖGD (Reihenuntersuchungen, aufsuchende Gesundheitsfürsorge, gesundheitliche Beratung und Betreuung von Kindertageseinrichtungen und Schulen)
  • Sicherung der Arzneimittelversorgung von Kindern und Jugendlichen durch entsprechende Bestimmungen im AMG (Stichwort: Off-Label-Use) durch Änderungen beim Zulassungsrecht und entsprechende Anreize für die forschende Pharmaindustrie
  • Berücksichtigung von Kindern und Jugendlichen im zügig zu gestaltenden Präventionsgesetz, dabei insbesondere Unterstützung zielgruppenspezifischer Präventionsansätze (bei Kindern und Familien in relativer Armut und Migranten)
  • Anpassung der GOÄ an die medizinische Entwicklung und gleiche Entgelte für die gleiche Leistung in Ost und West

Dr. Wolfram Hartmann
Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte
Präsident
Mielenforsterstr. 2
51069 Köln
Tel: 0221/68909-0
E-Mail:
dr.w.hartmann-kreuztal@t-online.de