Politik & Presse
06.12.2022 Pressemitteilung Köln

Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte fordert gesetzlichen Anspruch auf Sprachmittlung

Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte fordert gesetzlichen Anspruch auf Sprachmittlung

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ) fordert gemeinsam mit 30 weiteren Fachverbänden und Organisationen einen gesetzlichen Anspruch auf Sprachmittlung im Gesundheitswesen und eine klare Kostenübernahme-Regelung. Hierzu wurde ein neues Positionspapier veröffentlicht.

Dr. Thomas Fischbach, Präsident des BVKJ, betont: „Sprachbarrieren gefährden eine optimale gesundheitliche Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Es sollte doch selbstverständlich sein, dass wir bei teils schwerwiegenden medizinischen Eingriffen sachgerechte Aufklärung leisten können. Wie sollen wir unsere Patientinnen und Patienten beraten, wenn sie uns nicht verstehen?“

Bundesweit widmen sich bereits verschiedene Anbieter der Überwindung von Sprachbarrieren, doch es fehlt die Finanzierung. Das führt nach wie vor häufig dazu, dass in der Gesundheitsversorgung Kompromisslösungen gefunden werden, die weder für Mitarbeitende noch Behandelte sinnvoll sind und zahlreiche negative Folgen mit sich bringen.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Patientinnen und Patienten in sozialpädiatrischen Zentren erst einmal weggeschickt werden müssen, weil sie nicht verstanden werden. In anderen Fällen werden Kinder und Jugendliche bei der teils lebenswichtigen und intimen medizinischen Beratung ihrer Eltern zum Dolmetschen eingesetzt. Es ist medizinethisch nicht zu rechtfertigen, an dieser Stelle Menschen mit nicht ausreichenden Deutschkenntnissen strukturell zu benachteiligen. Eine solche Benachteiligung widerspricht auch dem grundgesetzlich verbürgten Recht auf gleichberechtigte Teilhabe an der Gesundheitsversorgung“, so Fischbach.

Der BVKJ und seine Mitstreiter fordern daher die umfangreiche Finanzierung von Sprachmittlung sowie u. a. konkrete Regelungen zur Umsetzung im medizinischen Alltag. Dies kann analog zu dem bestehenden Anspruch auf Gebärdensprachdolmetschen für hör- und sprachbehinderte Menschen gesetzlich geregelt werden. Zudem weist der BVKJ darauf hin, dass Sprachmittlung sogar Kosten einsparen kann, wenn durch eine fundierte Anamnese weitere Untersuchungen und teure Tests entfallen können.

Kurzversion des Positionspapiers

Langversion des Positionspapiers

Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ)

Telefon: 0221/68909-0 E-Mail: bvkj.buero@uminfo.de