Politik & Presse
07.03.2021 Pressemitteilung Köln

Bundesrat will Umsetzung des „Masernschutzgesetzes “ verschieben Kinder- und Jugendärzte warnen vor den Folgen: „Verschieben gefährdet Leben!“

Bis Ende Juli sollte der Immunstatus aller Personen in Schulen und Kitas erfasst werden. Der Bundesrat tritt nun auf die Bremse. Die Länder wollen mehr Zeit zur Umsetzung der neuen Vorgaben des Masernschutzgesetzes.

Gesundheitsämter sehen sich wegen der Corona-Pandemie außerstande, die gesetzlich geforderten Vorgaben zu vollziehen und fordern daher Zeit bis zum 31. Dezember 2022. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) warnt eindringlich vor einer solchen Fristverlängerung.

Thomas Fischbach, Präsident des BVKJ: „Die Länder haben über ein Jahr Zeit gehabt, die Umsetzung des Masernschutzgesetzes vorzubereiten und die Menschen in unserem Land wirksam vor den lebensgefährlichen Masern zu schützen. Offenbar ist in dieser Zeit nichts passiert, um die Dokumentation der Masernimmunität zu ermöglichen.
Deutschland impft im Vergleich mit vielen anderen Ländern schon seit Jahren zu wenig gegen Masern. Die Umsetzung des Masernschutzgesetzes darf jetzt nicht wegen der Corona-Pandemie auf die lange Bank geschoben werden. Jede Verzögerung kann dazu führen, dass sich Kinder in Kitas oder Schulen mit der hochansteckenden Krankheit infizieren. Vor allem Immunsupprimierte und Säuglinge, die aufgrund ihres Alters noch nicht geimpft werden konnten, sind gefährdet.“

Dr. Ralph Köllges, Präventionsbeauftragter Impfen BVKJ Nordrhein:
"Der Staat ist dafür verantwortlich, dass Kinder und Jugendliche in öffentlichen Einrichtungen sicher sind vor der lebensgefährlichen Masernerkrankung. Eine Verschiebung der Umsetzung des "Masernschutzgesetzes" bedeutet, dass es diese Sicherheit weitere 1,5 Jahre nicht geben wird. Die Entschließung des Bundesrates ist daher ein Skandal.

Wir Kinder- und Jugendmediziner*innen bitten daher die Bundesregierung dringend, die Initiative der Länder nicht aufzugreifen, sondern auf der geplanten Umsetzung zu bestehen und spätestens ab Juli dieses Jahres dafür zu sorgen, dass alle Personen, die in Kitas und Schulen in Deutschland betreut werden oder dort arbeiten, nachweislich gegen Masern geimpft sind."

Kontakt
Dr. Thomas Fischbach, Präsident
Berufsverband der Kinder-und Jugendärzte (BVKJ)
Mielenforster Straße 2
51069 Köln
Tel: 0221/68909-0

Weitere Informationen zum Thema Kinder- und Jugendgesundheit erhalten Sie unter www.kinderaerzte-im-netz.de