Gesunde Kinder
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Famulatur im kinder- und jugendärztlichen Bereich in der Grundversorgung

Kurzinformation für interessierte Studierende

Wir freuen uns über Ihr Interesse an der Famulatur im kinder- und jugendärztlichen Bereich der Grundversorgung.

Womit beschäftigt sich die Kinder- und Jugendmedizin in der Grundversorgung?

Die ambulante medizinische Grundversorgung von Kindern und Jugendlichen ist in Deutschland im SGB V §73 gesetzlich geregelt. Dort wird festgelegt, dass Allgemeinärzte, Kinderärzte, Internisten ohne Schwerpunktbezeichnung und andere Ärzte an der „hausärztlichen Versorgung“ teilnehmen, und es wird orientierend beschrieben, was eine hausärztliche Versorgung beinhaltet. Gegenwärtig wird die hausärztliche Grundversorgung der Kinder in Deutschland im Wesentlichen durch Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin durchgeführt. Jenseits des 13. Geburtstages wird die Versorgung der Jugendlichen auch durch Allgemeinmediziner übernommen, wobei die meisten chronisch kranken Jugendlichen weiter in der Versorgung der Kinder- und Jugendärzte verbleiben.

Der Begriff der hausärztlichen Versorgung („primary health care“) wurde in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich durch WHO und insbesondere WONCA (World Organisation of National Colleges, Academiesand Academic Associations of General Practitioners/Family Physicians) weiter entwickelt. Angelehnt daran beschreibt die DGAAP die Aufgaben der pädiatrischen Grundversorgung wie folgt:

  • Sie sind die ersten Ansprechpartner im Gesundheitssystem für die von ihnen betreuten Kinder, Jugendlichen und ihre Familien bei allen medizinischen und psychosozialen Problemen und Fragen zu Wachstum und Entwicklung
  • Sie versorgen Kinder und Jugendliche kontinuierlich und umfassend von der Geburt bis zum 18. Geburtstag
  • Sie arbeiten primär kindzentriert (d.h. nicht organspezifisch)
  • Dazu gehört eine effektive und altersgerechte Kommunikation mit Kindern und Jugendlichen unter Einbeziehung ihrer Familien und anderer Bezugspersonen in ihrem jeweiligen kulturellen, sozialen und religiösem Kontext
  • Sie behandeln akute sowie angeborene und erworbene chronische Erkrankungen
  • Sie führen alle Präventionen durch (Früherkennungsuntersuchungen, Impfungen, Gesundheitserziehung und vorausschauende Beratung)
  • Sie sind Lotsen im Gesundheits- und Sozialsystem
  • Sie arbeiten auf kommunaler Ebene in Netzwerken mit Sozial- und Bildungs-Behörden/Institutionen zusammen (wie: KJGD, Jugendamt, Kindergärten und Schulen). Im medizinischen Kontext kooperieren sie mit Kinder-Krankenhäusern, pädiatrischen Subspezialisten und mit Einrichtungen, die chronisch kranke und behinderte Kinder und Jugendliche multiprofessionell versorgen (SPZ), außerdem mit ärztlichen Kolleginnen und Kollegen anderer Fachdisziplinen, die auf ihrem Gebiet eine besondere pädiatrische Kompetenz erworben haben.

Jede Famulaturpraxis fertigt eine kurze Selbstdarstellung an, die über Erreichbarkeit, besondere Schwerpunkte, Zusatzqualifikationen und das Leistungsspektrum informiert. Sie ermöglicht es Ihnen, sich entsprechend zu orientieren. Vorhandene Schwerpunkte sollten jedoch keineswegs im Mittelpunkt der Famulatur stehen, sondern die „normale“ ärztliche Arbeit. Der „Stil“ einer Praxis (was zum Beispiel die Berufskleidung, Namensschild usw. betrifft) wird stark durch den Praxisinhaber geprägt, deshalb sollten Studierende vorab Rücksprache halten. Eigenes Stethoskop und Schreibzeug gehören zur Grundausstattung, weitere eigene diagnostische Instrumente (Otoskop etc.) können mitgebracht werden, ansonsten werden sie Ihnen in den Praxen zur Benutzung überlassen.

Während der Famulatur lenken Sie Ihre Aufmerksam gezielt auf folgende Bereiche:

  • Wahrnehmung der Wünsche, des Befindens und der Umgebung des Patienten,
  • Umgang mit Krankheit, Umgang mit begrenzten diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten,
  • bewusster Verzicht auf Ausschöpfung aller medizinisch möglichen Maßnahmen,
  • Aspekte der Prävention und der Kooperation mit anderen Gesundheitsberufen wie häuslicher Krankenpflege oder Physiotherapie sowie mit Fachkollegen im ambulanten und stationären Bereich.

Auch eine Begleitung der Tätigkeit der Medizinischen Fachangestellten ist in umschriebenen Zeitabschnitten sinnvoll.

Die Studierenden sollen vorab besprechen, welche Kompetenzen sie bereits erworben haben und wo sie Schwerpunkte in der Famulatur setzen möchten.
Nach ca. 2 Wochen sollte eine Zwischenbilanz gezogen werden:

  • Was wurde schon erreicht?
  • Sollen neue Schwerpunkte gesetzt werden?
  • Sonstige Wünsche oder Änderungsbedarf bei den Beteiligten?

Hinweise dazu sowie zu dem Abschlussgespräch finden Sie bei den bereits genannten Materialien.

In der Kommunikation über Erwartungen und Erfolge ist die Anwendung folgender Feedback-Regeln sinnvoll:

Feedback

  • beginnt mit positiven Beobachtungen, wird in Ich-Botschaften ausgedrückt und ist nicht (ab)wertend
  • endet mit einer wertschätzenden Anregung für zukünftige Verbesserungen
  • ist konkret und nicht verallgemeinernd
  • enthält, was korrekt bzw. nicht korrekt ist, sowie Empfehlungen für Verbesserungen
  • erst nach der Äußerung von sinnlich Wahrnehmbaren gibt es die Möglichkeit zu Interpretationen, Annahmen, Schlussfolgerungen
  • ist nicht Gegenstand einer Diskussion, sondern vielmehr eine persönliche Rückmeldung, die unkommentiert vom Feedback-Nehmer angenommen wird oder auch nicht
  • sollte geübt werden

Patientenschutz

Der Ordnung halber sei erwähnt, dass Studierende keine Handlungen ohne Kontrolle durchführen dürfen, Anamnese und Untersuchungsbefunde dementsprechend kontrolliert werden müssen. Für die Übernahme von therapeutischen Maßnahmen gelten dieselben Regeln wie für medizinischen Fachangestellte: Sie können delegiert werden, wenn der Arzt sich überzeugt hat, dass die Studierenden dies (z.B. Blutentnahme, Impfung, Verband) zuverlässig durchführen können.
Fühlen sich Patienten mit der Anwesenheit der Studierenden in irgendeiner Form unwohl, so muss das Interesse der Studierenden zurückstehen. Die Interessen der Patienten gehen in jedem Fall vor. Alle bisherigen Erfahrungen zeigen jedoch, dass es genügend Patienten gibt, die gerne an der Ausbildung von Studierenden mitwirken und die damit verbundene vermehrte Zuwendung und Aufmerksamkeit schätzen. Ein Aushang im Wartezimmer unterstützt die Aufklärung der Patienten.

Vertiefung

Falls wir Ihr Interesse geweckt haben: Weitere Materialien und Informationen zur Lehre finden Sie unter www.dgaap.de.
Gerne können Sie auch Kontakt mit der pädiatrischen Abteilung oder dem Lehrbereich der nächstgelegenen Medizinischen Fakultät/Fachbereich aufnehmen, wenn Sie ein weitergehendes Engagement ins Auge gefasst haben oder zusätzliche didaktische oder organisatorische Hinweise wünschen.

PDF - Version

famulaturboerse@noSpam.bvkj.de


Erarbeitet von der DGAAP