Gesunde Kinder
sind unsere Zukunft

Pflichtfamulatur im hausärztlichen Bereich

Kurzinformation für interessierte Praxen

Wir freuen uns über Ihr Interesse, an der Ausbildung unserer zukünftigen Ärztinnen und Ärzte mitzuwirken.

Sie werden sehen, dass dies Ihre Praxistätigkeit bereichern kann. Durch die einmonatige Pflichtfamulatur im hausärztlichen Bereich können wir Aufgaben und Leistungen unseres Faches gut darstellen und falsche Vorstellungen über die hausärztliche Tätigkeit abbauen. Jede Famulaturpraxis fertigt eine kurze Selbstdarstellung an, die über Erreichbarkeit, besondere Schwerpunkte, Zusatzqualifikationen und das Leistungsspektrum informiert. Diese Darstellung wird auf der BVKJ-Homepage eingestellt, sobald die Famulaturbörse dort geschaltet sein wird.

Sie ermöglicht es den Studierenden, sich entsprechend zu orientieren. Vorhandene Schwerpunkte sollten jedoch keineswegs im Mittelpunkt der Famulatur stehen, sondern die „normale“ hausärztliche Arbeit. Der „Stil“ einer Praxis (was zum Beispiel die Berufskleidung, Namensschild usw. betrifft) wird stark durch den Praxisinhaber geprägt, deshalb sollten Studierende vorab Rücksprache mit Ihnen halten. Eigenes Stethoskop und Schreibzeug gehören zur Grundausstattung, weitere eigene diagnostische Instrumente (Otoskop etc.) können die Studierenden selbstverständlich mitbringen, ansonsten werden sie ihnen in den Praxen zur Benutzung überlassen. Führen Sie ein Vorgespräch, um sich gegenseitig kennenzulernen.

Während der Famulatur lenken Sie die Aufmerksamkeit der Studierenden gezielt auf folgende Bereiche, denen sie sich gewöhnlich nicht zuwenden wie:

  • Wahrnehmung der Wünsche, des Befindens und der Umgebung des Patienten,
  • Umgang mit Krankheit, Umgang mit begrenzten diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten,
  • bewusster Verzicht auf Ausschöpfung aller medizinisch möglichen Maßnahmen,
  • Aspekte der Prävention und der Kooperation mit anderen Gesundheitsberufen wie häuslicher Krankenpflege oder Physiotherapie sowie mit Fachkollegen im ambulanten und stationären Bereich.

Sie sollten den Studierenden ermöglichen, bei Beratung, Untersuchung und Behandlung der Patienten anwesend zu sein, soweit diese damit einverstanden sind. Auch eine Begleitung der Tätigkeit der Medizinischen Fachangestellten ist in umschriebenen Zeitabschnitten sinnvoll.

Die Studierenden sollen vorab mit Ihnen besprechen, welche Kompetenzen sie bereits erworben haben und wo sie Schwerpunkte in der Famulatur setzen möchten. Dazu ist es sinnvoll, dass sie möglichst oft selbst Patienten befragen und untersuchen, soweit es den Patienten zuzumuten ist. Folgendes Vorgehen hat sich dabei bewährt: Der Studierende befragt und untersucht Patienten erst in einem anderen Raum alleine. Wenn man dafür z.B. den/die übernächste/n Patienten/in anspricht oder diese etwas früher einbestellt, wird die Störung des Praxisablaufs minimiert. Wenn der Studierende die Datenerhebung mit Patienten abgeschlossen hat, lassen Sie sich berichten, was er bei Anamnese und Untersuchung herausbekommen hat. Wichtig: Fordern Sie eine Stellungnahme, zur Diagnose, weiterführenden Untersuchungen und Behandlung. Nehmen Sie den Studierenden die Scheu, sich festzulegen, auch wenn ihre Vorschläge vielleicht „daneben“ liegen. Solche Diskussionen sind besonders wertvoll. Beziehen Sie die Patienten mit ein, genau zu zuhören und korrigierend einzugreifen. Durch direkte Fragen an den Patienten füllen Sie Lücken in der Anamnese und ergänzen so die gemeinsam „erlebte Anamnese“; dasselbe gilt für Untersuchungsbefunde und deren Kontrolle. Dabei kommen oft interessante Dreiecks-Interaktionen zustande. Sie gewinnen auch einen Eindruck, ob die Studierenden eine gute Beziehung mit dem Patienten aufgebaut hat.

Dabei ist die Anwendung folgender Feedback-Regeln sinnvoll:

Feedback

  • beginnt mit positiven Beobachtungen, wird in Ich-Botschaften ausgedrückt und ist nicht (ab)wertend
  • endet mit einer wertschätzenden Anregung für zukünftige Verbesserungen
  • ist konkret und nicht verallgemeinernd
  • enthält, was korrekt bzw. nicht korrekt ist, sowie Empfehlungen für Verbesserungen
  • erst nach der Äußerung von sinnlich Wahrnehmbaren gibt es die Möglichkeit zu Interpretationen, Annahmen, Schlussfolgerungen
  • ist nicht Gegenstand einer Diskussion, sondern vielmehr eine persönliche Rückmeldung, die unkommentiert vom Feedback-Nehmer angenommen wird oder auch nicht
  • sollte geübt werden

Nach ca. 2 Wochen sollte eine Zwischenbilanz gezogen werden:

  • Was wurde schon erreicht?
  • Sollen neue Schwerpunkte gesetzt werden?
  • Sonstige Wünsche oder Änderungsbedarf bei den Beteiligten?

Hinweise dazu sowie zu dem Abschlussgespräch finden Sie bei den bereits genannten Materialien.

Patientenschutz

Wir würden uns wünschen, dass die Famulaturpraxen den Studierenden ein ausgewogenes Angebot an aktiven und passiven Lernmöglichkeiten bieten, das sowohl ihren Praxisablauf als auch die Interessen der Studierenden berücksichtigt. Der Ordnung halber sei erwähnt, dass Studierende keine Handlungen ohne Kontrolle durchführen dürfen, Anamnese und Untersuchungsbefunde von Ihnen dementsprechend kontrolliert werden müssen. Für die Übernahme von therapeutischen Maßnahmen gelten dieselben Regeln wie für medizinischen Fachangestellte: sie können delegiert werden, wenn Sie sich überzeugt haben, dass die Studierenden dies (z.B. Blutentnahme, Impfung, Verband) zuverlässig durchführen können. Es genügt, Ihre Haftpflichtversicherung darüber zu informieren, dass Sie Famulanten in Ihrer Praxis unterrichten und an sie gelegentlich Tätigkeiten wie oben beschrieben delegieren. Beachten Sie bitte auch Ihre Vorbildfunktion bei der Einhaltung von Hygieneregeln.

Fühlen sich Patienten mit der Anwesenheit der Studierenden in irgendeiner Form unwohl, so muss das Interesse der Studierenden zurückstehen. Die Interessen der Patienten gehen in jedem Fall vor. Alle bisherigen Erfahrungen zeigen jedoch, dass es genügend Patienten gibt, die gerne an der Ausbildung von Studierenden mitwirken und die damit verbundene vermehrte Zuwendung und Aufmerksamkeit schätzen. Ein Aushang im Wartezimmer, unterstützt die Aufklärung der Patienten.

Vertiefung

Falls wir Ihr Interesse geweckt haben: Weitere Materialien und Informationen zur Lehre finden Sie unter www.dgaap.de.
Gerne können Sie auch Kontakt mit der pädiatrischen Abteilung oder Lehrbereich der nächstgelegenen Medizinischen Fakultät/Fachbereich aufnehmen, wenn Sie ein weitergehendes Engagement ins Auge gefasst haben oder zusätzliche didaktische oder organisatorische Hinweise wünschen.

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famulaturboerse@noSpam.bvkj.de


Erarbeitet von der DGAAP